Archive for the ‘Rezension’ Category

Outback-Noir in Jane Harpers The Dry

Mittwoch, November 30th, 2016
Jane Harper: The Dry, Rowohlt Polaris, 2016

Jane Harper: The Dry, Rowohlt Polaris, 2016

Der Melbourner Steuerfahnder Aaron Falk kehrt für die Beerdigung seines besten Freundes Luke, der sich und seine Familie erschossen haben soll, in seine Geburtsstadt Kiewarra zurück. Dort empfangen ihn nicht nur die Hitze und die Dürre, sondern auch der Hass all derer, die Falk noch immer für den mysteriösen, bis heute ungeklärten Tod seiner früheren Freundin verantwortlich machen. Während Falk die jüngere Tragödie untersucht, stochert er zugleich in alten Erinnerungen, Wunden und Geheimnissen …

»The Dry«, das Romandebüt der in England geborenen, seit vielen Jahren in Australien lebenden Journalistin Jane Harper, könnte man problemlos als Outback-Noir bezeichnen. Ob das Aussi-Lokalkolorit und der titelgebende klimatische Aufhänger ausreichend mit Leben gefüllt sind, darüber lässt sich zumindest bis zum Showdown streiten – dafür lässt Harper ihren Leser schön lange mitknobeln. Auf zwei Zeitebenen ordentlich durchexerziert und stets solide geschrieben, präsentiert sich »The Dry«, das übrigens im Umfeld des von Agenten geleiteten Curtis Brown Creative-Schreibkurses entstand, als spannender Mainstream-Thriller.

 

Paco Roca: La Casa

Sonntag, November 27th, 2016
La Casa, Reprodukt 2016

La Casa, Reprodukt 2016

In »La Casa« verabschiedet sich der spanische Autor und Zeichner Paco Roca von seinem verstorbenen Vater, das jedoch auf angenehm unaufdringliche Weise – und vor allem nicht autobiografisch, wie das die meisten ‚Comic-Romanciers’ heute machen, sondern über den Spiegel der Fiktion.

Mit einer universellen, nichtsdestotrotz emotionalen Geschichte über das Leben, die Familie – Eltern, Kinder, Geschwister, Enkel und Großeltern –, Alter, Krankheit, den Abschied, Erinnerungen und all das, was für die Hinterbliebenen danach kommt.

Diese Panel-Erzählung entlang des Stammbaums, die Roca um ein Wochenendhaus auf dem Land kreisen lässt, ist feinsinnige, lesenswerte Comic-Literatur über die Natur des Menschen und der Familie, wobei der 1969 in Valencia geborene Roca das Querformat gelegentlich für sehr interessant gestaltete Seiten nutzt.

Und dann ist das Ganze auch noch eine ganze Spur griffiger als Rocas zuvor auf Deutsch veröffentlichtes Werk »Die Heimatlosen«, das ein bisschen zu viel gelobt wurde.

Richard McGuire: Erzählende Bilder

Mittwoch, November 16th, 2016
Richard McGuire: Erzählende Bilder, Dumont 2016

Richard McGuire: Erzählende Bilder, Dumont 2016

Schon in seiner außergewöhnlichen Zeitreise-Bildergeschichte »Hier« hat der amerikanische Grafiker, Illustrator, Animationsfilmer, Skulpteur, Kinderbuchautor, Comickünstler und einstige Liquid Liquid-Bassist Richard McGuire bewiesen, dass er auf engstem Raum Großes schaffen kann. Das soeben bei Dumont erschienene, haptisch-kleine Büchlein »Erzählende Bilder« mit seinen sequenziellen Strichzeichnungen aus dem berühmten »New Yorker« zeigt im Anschluss an ein Vorwort des belgisch-amerikanischen Literaturkritikers Luc Sante erneut das ganze Können des 1957 geborenen Mr. McGuire, den die zeichnerische Darstellung und zugleich Kompression von Zeit seit jeher fasziniert.

Die Vignetten-Folgen der grafischen Kurzgeschichtensammlung, zwischen deren traditionsreichen Einzelbildern im »New Yorker«-Magazin sonst viele Seiten liegen, streifen dank McGuire ihre dekorative Funktion ab und werden in piktogrammatischer Einfachheit und reduzierter Formensprache zu kleinen wundersamen Reihen und sogar Erzählungen: Über das Aufzugfahren, eine Dreiecksbeziehung im Besteckkasten, einen Flamingo und einen Regenschirm, die Blickwinkel eines Bilderrahmens, eine Parkuhr und ihre Freunde im Winter, einen Wohnhausflur, eine anthropomorphisierte Version von Schere-Stein-Papier, Berührungen von Tablet oder Brief, eine neugierige Taube, schwatzhafte Badezimmerartikel, eine Insektenmodenschau oder das Fahren mit der U-Bahn.

Wie wenige Striche McGuire braucht, um den Dingen und Begebenheiten nicht nur narratives Leben einzuhauchen, immens variable Geschichten zu erzählen und zwischen den Bildern die comic-typische Illusion von Bewegung in Zeit und Raum entstehen zu lassen, ist absolut beeindruckend. Da kann man wirklich sagen: Formvollendet – oder man spricht gleich von großer sequenzieller Kunst innerhalb des modernen Minimalismus.

The Goblin Emperor oder: Der Winterkaiser

Montag, Oktober 31st, 2016
Der Winterkaiser, Tor 2016

Der Winterkaiser alias The Goblin Emperor, Tor 2016 bzw. 2014

Cover und Titel von »Der Winterkaiser« verbergen ein wenig zu geschickt, dass es sich dabei um die deutsche Übersetzung von Katherine Addisons Roman »The Goblin Emperor« aus dem Jahre 2014 handelt.

Der gewann nicht nur den Locus Award, sondern war obendrein für den Hugo, den Nebula und den World Fantasy Award nominiert. Nicht schlecht! Den Koboldkaiser hatte ich wegen seiner Präsenz bei den drei großen Preisen in Übersee und des einfallsreich-außergewöhnlichen Original-Covers tatsächlich schon länger auf der Leseliste stehen, und jetzt zeigte nur ein zufälliger Blick ins Impressum von »Der Winterkaiser«, dass ich um die zumeist etwas mühsamere Lektüre der Ausgabe herumkäme und den Roman sogar schon längst hier auf einem der Stapel liegen hatte …

Die Handlung des Einzelbandes (ja, so was gibt es noch!) konzentriert sich auf die höfischen Intrigen und Verpflichtungen, mit denen der junge Halbkobold Maia als neuer, unerfahrener und gänzlich unvorbereiteter Kaiser von Elfenland klarkommen muss, nachdem ein Luftschiff-Absturz die Thronfolge komplett über den Haufen geworfen hat. Das ist alles andere denn auf Action oder Schlachten setzende High Fantasy mit ein paar Steampunk-Elementen, da sich zu den Luftschiffen noch Rohrpostsysteme, Gaslampen und dampfbetriebene Brücken hinzugesellen.

Das Prunkstück des vereinnahmenden, süchtig machenden Romans von Katherine Addison, die eigentlich Sarah Monette heißt, ist aber ohne jeden Zweifel die Nähe zu Maia. Ich kann mich nicht erinnern, seit Robin Hobbs erster »Weitseher«-Trilogie jemals so dicht an der Figur eines Fantasy-Romans dran gewesen zu sein, so viel Wärme und Empathie für den Protagonisten und seine Probleme verspürt zu haben.

Ohne kaiserlichen Sekretär kommt man hin und wieder ins Schleudern, was die vielen fremdartigen Namen angeht – trotzdem gehört »Der Winterkaiser« unbedingt auf die herbstlich-winterliche Leseliste eines jeden Fantasy-Fans und zu den unverzichtbaren fantastischen Büchern des Jahres.

Mooncop: Tote Hose auf dem Mond

Samstag, Oktober 8th, 2016
Tom Gauld: Mooncop, Drawn & Quarterly 2016

Tom Gauld: Mooncop, Drawn & Quarterly 2016

Den Mond zu besiedeln, war letztlich wohl doch keine so gute Idee. Zumindest in »Mooncop«, dem neuen langen Comic von Tom Gauld. Die letzten Siedler verlassen nach und nach den drögen Erdtrabanten, und sein einziger Gesetzeshüter kämpft mit Melancholie und Depression, obwohl oder gerade weil die lunare Kriminalitätsrate gleich Null ist. Der Roboter-Psychiater, der ihm von der Erde geschickt wird, ist leider keine große Hilfe, und dann werden ihm auch noch seine Hochhauseinheit mit der schönen Aussicht und sein Donut-Automat genommen…

Der begnadete Reduzierer und Simplifizierer Tom Gauld, der 1976 in Schottland geboren wurde und in seinen Arbeiten für den »Guardian«, den »New Yorker« und »New Scientist« regelmäßig auf allerhand Science-Fiction-Elemente zurückgreift, macht aus der Tristesse und dem Trübsinn auf dem Mond und in der Zukunft in seinem unverkennbaren Stil und mit seinem gewohnt trockenen Humor eine universelle Parabel auf den Trott und die Traurigkeit so manchen Alltags – und zeigt, dass doch noch immer etwas passieren kann.

Gaulds knackige Strips wie z. B. im grandiosen Sammelband »You’re All Just Jealous Of My Jetpack« sind für den Erstkontakt mit dem Cartoonisten von den britischen Inseln sicher geeigneter, doch seine Fans werden Gauld natürlich jederzeit bis auf den Mond und weit darüber hinaus folgen.

The Fix: Ein neuer Wunder-Beagle

Montag, September 26th, 2016
The Fix TPB 1, Image 2016

The Fix TPB 1, Image 2016

Hello. Long time no see. Viele, viele Panini-Editorials, viele Texte für diezukunft.de und tor-online.de, und am Ende immer keine Puste mehr für den Blog, durch den Berichten zufolge schon Steppenhexen gerollt sein sollen wie im Western. Und dennoch, trotz dem üblichen Deadline-Wahnsinn vor der Buchmesse, hier endlich wieder ein Eintrag, direkt auf dem MacBook in die Blog-Maske getippt, die Augenringe ungeschminkt, der Cola/Koffein-Pegel gefährlich niedrig, die müde Haltung auf dem Stuhl fern der Bestnoten. Vielleicht tröstet dieser brandaktuelle Comic-Tipp ja ein wenig über die lange Durststrecke hinweg …

Snoopy von den unsterblichen Peanuts wird immer der coolste Comic-Beagle und sowieso der bekannteste Comic-Hund bleiben. Das ist auch richtig so. Allerdings hat er jetzt ernsthafte Konkurrenz bekommen, was Beagletum und Hundesein in der Panel-Welt angeht.

Autor Nick Spencer (»Ant-Man«) und Zeichner Steve Lieber (»Whiteout«), die zusammen schon das wunderbare »The Superior Foes of Spider-Man« servierten und als eines dieser kongenialen Dream-Teams bezeichnet werden dürfen, haben eine neue, eigenständige Serie am Start. Die heißt »The Fix« und erscheint im englischsprachigen Original, natürlich, beim Image Verlag. Der Krimi über zwei korrupte, kriminelle Loser-Cops in L. A. ist ziemlich böse und witzig – und hat einen gar nicht so heimlichen Star: Einen Beagle namens Pretzels (also Brezel), dessen unbestechliche Spürnase am LAX jeden Drogenschmuggler erzittern lässt. Doch genau diesen Top-Cop auf vier Pfoten müssen unsere beiden Bullen rumkriegen, wenn sie nicht von einem Verbrecherboss um die Ecke gebracht werden wollen, der mindestens so brutal wie öko ist …

Das erste US-Trade von »The Fix« ist dieser Tage als »Where Beagles Dare« erschienen, und obwohl es lediglich vier Hefte enthält und die lustige Handlung erst mal in die Breite geht, gehört der Band unbedingt auf die Leseliste jedes Crime-Fans mit einer Schwäche fürs grafische Erzählen. Comics mit einem Beagle, über die man lachen kann, sind nichts Neues, gute Krimi-Comics mit fiesem Humor aber immer eine Erwähnung und Empfehlung wert. Vor allem, da Nick Spencers Name vor nicht allzu langer Zeit eher deshalb durch die internationale Presse ging, weil er den patriotischen Marvel-Recken Captain America angeblich zu einem Nazi gemacht haben sollte. Und wenn wir ehrlich sind, hätte Pretzels die Aufmerksamkeit weit mehr verdient …

Frühstück mit Harley Quinn und den Borgias

Mittwoch, März 23rd, 2016
DBC Pierre: Frühstück mit den Borgias, Aufbau 2016

DBC Pierre: Frühstück mit den Borgias, Aufbau 2016

Kurzzeitig hat es mal geklappt mit regelmäßigen Beiträgen, dann kam die närrische Harley Quinn dazwischen. Na ja, okay, und der Doktor und seine TARDIS. Sei’s drum, an dieser Stelle zumindest mal wieder ein Lesetipp für die Feiertage …

Mit Jesus von Texas und Licht aus im Wunderland hatte ich viel Spaß, mit Bunny & Blair eher weniger. In seinem neuen Roman Frühstück mit den Borgias, der formal viel von einer guten Novelle hat, rechnet DBC Pierre zunächst mit dem digitalen Zeitgeist und denen ab, die ohne Smartphone nicht mehr leben können – die allein durch ihr Smartphone leben und lieben und sich in allen möglichen Situationen hinter ihrem Gerät-für-alle-Lebenslagen zu verstecken pflegen. Die Hiebe in diese Richtung, die in eine äußerst gefällige Schreibe gekleidet sind, sitzen. Gleichzeitig herrscht eine köstlich verschrobene Stimmung im Cliffs, die den Leser geschwind in die Zimmer und Gänge des Hotels zieht. Umso erstaunlicher ist es, wie sich Frühstück mit den Borgias nach dem skurrilen ersten Akt erst zu einem beunruhigenden, verstörenden Krimi wandelt und schließlich sogar mitten in der Twilight Zone landet.

Eine gewaltige Überraschung, die dieses außergewöhnliche Büchlein noch interessanter und denkwürdiger macht.

 

Morrison, Case: Doom Patrol Book One

Dienstag, März 1st, 2016
Doom Patrol Book 1, DC Comics 2016

Doom Patrol Book 1, DC/Vertigo 2016

Der schottische Comic-Autor Grant Morrison steht für andersartige Panel-Geschichten, die cool, genial, herausfordernd, stimulierend, wirr oder schlicht unlesbar sein können. Bei Morrison weiß man nie, ob er einen auf den nächsten zehn Seiten nicht komplett in seiner eigenen Gedankenwelt abhängt, ja man die Lektüre ohne das simultane Einwerfen irgendwelcher bunter Pillen nicht gleich ganz abschreiben kann. Nichtsdestotrotz gibt es viele wichtige und lesenswerte Werke, die dieser Meister des Meta in den letzten drei Dekaden geschrieben hat. Dabei lässt Morrison stets seine Faszination für das Merkwürdige, das Surreale, multiversale Konzepte sowie die Verschmelzung von Realität und Fiktion in sein Comic-Schaffen einfließen.

Ein gutes Beispiel für einen ungebrochen lohnenswerten Morrison-Klassiker ist der Vertigo-Titel „Doom Patrol“, den DC in den USA gerade in seitenstarken Sammelbänden als Paperback und E-Book neu auflegt. Morrison bekam die Serie über die in den 60ern kreierte Außenseiter-Truppe 1988 zugetragen, als sein Stern durch das metaphysische „Animal Man“ und das bereits abgegebene Script zum designierten Dauer-Bestseller „Batman: Arkham Asylum“ mächtig am Aufsteigen war.

Zusammen mit Zeichner Richard Case kreierte Morrison in den ersten Ausgaben Anfang 1989 einen guten Einstiegspunkt für alle interessierten Leser und brachte das Element des unangenehm Bizarren und verstörend Seltsamen zurück in die Abenteuer der Doom Patrol, die Morrison aufgrund der vorangegangenen Storyline neu justieren konnte. Sein Team besteht zu Beginn zunächst aus einem depressiven Menschen-Hirn im Roboter-Körper, einer traumatisierten jungen Frau mit über sechzig Persönlichkeiten, und der androgyn-verwirrten Fusion eines weißen Mannes, einer schwarzen Frau und eines negativen Geistes. Ihre Gegner sind genauso strange, während ein vielschichtiges Hypergemälde Paris verschwinden lässt, eine fremde Struwwelpeter-Welt in die Realität eindringt und eine gefährliche Gedankenlandschaft durchwandert werden muss …

Morrison und Case sollten bis Januar 1993 bleiben und über 40 US-Hefte gestalten. Der erste gut 400 Seiten umfassende Sammelband von „Doom Patrol“ pendelt zwischen Pulp, Psychologie und Philosophie, ist wirklich weird und tierisch unterhaltsam. Auch nach rund 25 Jahren sind das noch die idealen Superhelden-Geschichten für alle, die nicht so auf Capes und Spandex stehen und dafür auf fantastische Autoren wie Matt Ruff und China Miéville abfahren.

Der zweite von drei Bänden dieser neuen „Book“-Edition ist für August angekündigt. Eine gute Alternative zum Hardcover-Omnibus, für den immerhin 150 US-Dollar zu berappen sind.

Wood, Zezelj: Starve Vol. 1

Freitag, Februar 26th, 2016
Starve Vol. 1, Image 2016

Starve Vol. 1, Image 2016

In ihrer neuen Comic-Serie Starve erzählen der amerikanische Autor Brian Wood (DMZ, The Massive, Conan der Barbar) und der kroatische Zeichner Danijel Zezelj (Loveless, Northlanders) die Geschichte von Gavin Cruikshank. Einst der angesehenste Küchenchef der USA und das Gesicht der erfolgreichen exotischen Koch-Show Starve (dt. ‚Hungern’), trafen ihn in der nahen Zukunft schließlich zwei Dinge: Der Zusammenbruch der Finanzwelt – und der Hass seiner Ehefrau, nachdem Gavin sich als schwul geoutet hat. Also verkrümelte sich der geniale Koch nach Asien und genoss das sorglose Leben im selbstauferlegten Exil.

Zu Beginn des ersten US-Sammelbandes von Woods und Zezeljs Starve hat sich die Welt erholt. In Folge des Klimawandels steht ihr das Wasser zwar bis zum Hals und ist z. B. der JFK-Flughafen in New York abgesoffen, aber die Reichsten der Reichen haben wieder Oberwasser und wollen unterhalten werden. Starve mutierte ohne Gavin zu einer dekadenten Show, in der gefährliche, verbotene und illegale Speisen für das obere Eine Prozent zubereitet werden. Und jetzt, wo es allgemein wieder läuft, erinnert man sich an Gavins Vertrag und dass er noch ein paar Folgen zu liefern hat. Das Network holt seinen gealterten Star zurück, und Gavin muss gegen seinen früheren Konkurrenten antreten, wird von seiner Frau schikaniert und trifft auf seine wundervolle Tochter, die ihm erstaunlicherweise nichts nachträgt. Dafür muss Chief Cruikshank in Starve brutale Koch-Battles überstehen: Hund zubereiten. Den praktisch ausgestorbenen Blauflossen-Thunfisch auf dem Schwarzmarkt auftreiben und vielleicht den letzten seiner Art für die Preisrichter anrichten. Vor laufender Kamera ein Schwein schlachten und verwursten. Oder mit roher Gewalt irgendwo in der Stadt die Küche einer fremden Crew erobern und darin zaubern …

Ist Starve ein guter Comic? Oh ja. Extrem gut aus Leser-Sicht, deprimierend gut aus Autoren-Sicht. Brian Wood verbindet seine kritische Message diesmal mit dem anhaltenden Hype um Koch-Sendungen im Fernsehen und macht daraus eine coole, gut abgeschmeckte Dystopie, und Zezeljs typisches Artwork mundete und passte nie besser. Hunger auf einfallsreiche Science-Fiction und außergewöhnliche Comics? Dann muss Starve auf den Teller!

Wir haben erst Ende Februar, aber ich denke, diese Küchenschlacht ist bereits ein vielversprechender Kandidat für meinen Comic des Jahres.

 

Mobidic: Bärenkönig

Mittwoch, Februar 24th, 2016
Bärenkönig, Popcom 2016

Bärenkönig, Popcom 2016

Mobidic, in Frankreich geborene Künstlerin mit mexikanischen Wurzeln, zog in die europäische Comic-Hauptstadt Brüssel, um dort Trickfilm zu studieren, ehe sie auf visuelle Kunst und Comic umsattelte. Der Einzelband Bärenkönig ist Mobidics Panel-Debüt auf der großen Bühne, das sie geschrieben, gezeichnet und koloriert hat. Die Einflüsse aus dem Animationsbereich, in dem sie ihre Hochschulkarriere begann, sind nicht zu übersehen, aber letztlich profitiert der Comic-Roman, der in den Buchhandlungen hoffentlich ins Graphic-Novel-Regal kommt, davon nur.

Zumal der gelungen Optik ein guter Plot zur Seite steht. Gekonnt erzählt Mobidic die Geschichte der jungen Eingeborenen Xipil, die der Kaimangöttin geopfert werden soll. Der Bärenkönig befreit sie allerdings, und das setzt eine Kettenreaktion heftiger Ereignisse in Gang – für Xipil, die Tiergötter und Bewohner des Waldes und Sumpfes, und die Menschen in Xipils Dorf.

Mobidic hat ihre Story in tollen Bildern eingefangen und bedient sich zudem des gesamten Spektrums erwachsener Gefühle und Themen. Dabei führt sie die Geister von Rudyard Kipling und Egar Rice Burroughs auf übernatürliche, mythologische Pfade und tränkt ihre Seiten mit starker Fantasy, aufrichtigen Emotionen sowie purer Erzähl-Magie, ohne vor Sex, Gewalt oder Drogen-Visionen zurückzuschrecken.

Das ist schon kein bärenstarkes Debüt mehr, sondern ein absolut beeindruckendes.

Neu:

Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen

Backlist:
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