Gelesen: Totengraben von Luke Arnold

April 28th, 2022
Luke Arnold: Totengraben, Knaur 2022

Luke Arnold: Totengraben, Knaur 2022

Den Australier Luke Arnold kannte man bisher vor allem für seine Rolle in »Black Sails«, das zwischen 2014 und 2017 als game-of-thrones-mäßige Piraten-Fernsehserie und ferner als packendes Prequel zu Stevensons »Die Schatzinsel« glänzte. Doch Luke Arnold ist nicht nur Stuntman, Schauspieler und Filmemacher, sondern auch Buchautor. Mit »Der letzte Held von Sunder City« startete er im Original 2020 eine der besten Fantasy-Detektivserien der letzten Jahre. Die dreht sich um Fetch Phillips, einen abgehalfterten privaten Ermittler und Mann für alles in Sunder City, wo Menschen, Elfen, Trolle, Zwerge und andere nicht allzu friedlich zusammenleben, seit die Menschheit in einem Krieg alle Magie ausgelöscht hat, weshalb die übernatürlichen Wesen dahinsiechen. Weil Fetch eine zentrale Rolle dabei einnahm, hassen ihn viele in Sunder bis aufs Blut …

Im starken zweiten Band »Totengraben« präsentiert sich Arnolds Serie erneut als stimmungsvolle Kombination aus Dashiell Hammett und »Der Malteser Falke«, Glen Cooks »Die Rätsel von Karenta«-Reihe und Terry Ptatchetts »Scheibenwelt«-Zyklus – diesmal sind die Pratchett-Verneigungen, etwa vor dem Wachen-Roman »Helle Barden«, noch deutlicher. Der Mix aus traditioneller Fantasy und modernem Fortschritt hat schon in Ankh-Morpork funktioniert, und er tut es ebenfalls in Sunder City. Unbedingt lesenswert, und hoffentlich sehen wir bald den dritten Band in der guten Übersetzung von  Christoph Hardebusch auf Deutsch.

Gelesen: Die Gesetzlose von Anna North

April 23rd, 2022
Anna North: Die Gesetzlose, Eichborn 2022

Anna North: Die Gesetzlose, Eichborn 2022

In den 1830ern zerschlägt die Große Grippe die junge USA gleich wieder in lauter Stadtstaaten, außerdem ist Unfruchtbarkeit nach der Krankheitswelle ein großes Problem. Werden frisch verheiratete Frauen nicht schnell genug schwanger, kann das gefährliche Folgen für sie haben, werden sie teils als Hexen bezichtigt und verfolgt. So auch Ada, die Tochter einer Hebamme, die in ein Kloster fliehen muss, ehe sie sich sogar der berüchtigten Hole-in-the-Wall-Gang um The Kid anschließt …

Der Anfang des Romans »Die Gesetzlose« von Anna North, die auch als erfolgreiche Journalistin arbeitet, ist messerscharf und gnadenlos – wie ein Western von Margarat Atwood, mit ganz heftigen »Report der Magd«-Vibes. Das hält die US-amerikanische Autorin jedoch nicht auf über 330 Seiten durch, dennoch bleibt »Die Gesezlose« ein interessanter, ordentlicher Western mit modern-vielfältigem LGBTQ-Ensemble, und einem starken Finale.

Definitiv lesenswert, selbst wenn bei der Prämisse und diesem fantastischen Einstieg ein bisschen mehr drin gewesen wäre.

Im Übrigen eine komplementäre Genre-Lektüre zu C Pam Zhangs »Wie viel von diesen Hügeln ist Gold« aus dem letzten Jahr.

Erschienen: »Unfollower« in c’t 9/22

April 8th, 2022
Aufmachergrafik zu meiner Story »Unfollower«

Aufmachergrafik zu meiner Story »Unfollower«

Am 9. April erscheint die Ausgabe #9/22 von c’t – magazin für computertechnik. Neben Artikeln über die besten Passwort-Strategien, gebrauchte Notebooks, Prepaid-Tarife, Apps für die Büchersammlung und Sprach-KI gibt es im Heft meine Science-Fiction-Kurzgeschichte Unfollower.

In einer Welt, in der Follower mehr denn je für Einfluss, Macht und Geld stehen, bleibt es nicht länger ohne Konsequenzen, wenn man jemanden in den Sozialen Medien entfolgt. Die High Society des Netzes, die aus Politik, Sport, Wirtschaft, Musik, Film, Influencing und anderem stammt, kann sich an Agenturen wenden, welche wiederum Spezialisten für das Bekehren von Unfollowern haben.

c't – magazin für computertechnik #9/22, heise medien

c’t – magazin für computertechnik #9/22, heise medien

Die meisten üben durch Erpressung digital Druck aus, doch die Ich-Erzählerin meiner Geschichte mag es, die Leuten an der Haustür von Angesicht zu Angesicht zu konfrontieren. Oft genügen ihr Auftreten und die eine oder andere Drohung, manchmal braucht es allerdings eine handfestere Motivation. Doch das alles geht nicht spurlos an der Veteranin und Kopfgeldjägerin vorbei, die diesem Weg schon ziemlich lange folgt …

Mit Unfollower wollte ich mal wieder eine andere Art von Cyberpunk schreiben, als ich es zuletzt meistens getan habe – eine andere Beziehung und Wechselwirkung zwischen virtueller und realer Welt behandeln.

Entstanden ist die Story Ende 2021, nachdem ich längere Zeit erst mal nur den Titel und eine vage Idee in einer Text-Datei auf dem digitalen Schreibtisch hatte. Sobald sich aus den ersten Pitches sowie dem anfangs geplanten Duo die einzelne Protagonistin und Erzählerin herauskristallisiert hatte, war die Sache jedoch klar und sehr spaßig zu schreiben. Die Begegnungen und Nicknames an der Haustür, die Eskalationen …

Die superbe Aufmacher-Illustration stammt einmal mehr von Albert Hulm, der seit 2017 viele meiner c’t-Kurzgeschichten bebildert hat.

 

Erschienen: »Selbstdiagnose-Terror« in Spektrum 4.22

März 18th, 2022
Spektrum der Wissenschaft 4.22

Spektrum der Wissenschaft 4.22

Am 19. März erscheint die Ausgabe 4.22 von »Spektrum der Wissenschaft«.

In den Beiträgen geht es u. a. um die Vereinheitlichung der Mathematik, das weltweit größte Fisch­brutgebiet in der Antarktis, kletternde Frühmenschen, Statistik-Irrtümer im Kasino, das übersehene Treibhausgas, Gefahr durch solare Superstürme und Persönlichkeits-Analyse via Künstlicher Intelligenz.

Dazu gibt es meine Science-Fiction-Kurzgeschichte »Selbstdiagnose-Terror« um eine innere Verschwörung mit Folgen:

Ein hypochondrischer Mann glaubt, in der Nacht entführt und via Operation in einem Bomben-Selbstmordattentäter verwandelt worden zu sein. Denn davon hört man in letzter Zeit öfters. Weil das Gesundheitssystem in der nahen Zukunft immer kapitalistischer geworden ist, wendet er sich hilfesuchend an eine medKabine, eine Mischung aus Telefonzelle und vollautomatisierter Notaufnahme samt Operationssaal. Doch deren ärztliche KI ist skeptisch, was die Selbstdiagnose des Ich-Erzählers angeht, und will nicht einfach so operieren, außerdem muss sie sich an die Vorschriften halten …

Die Idee zur Geschichte habe ich eine Weile mit mir herumgeschleppt: Die ersten Absätze entstanden 2018, und da sollte die Story noch »Hauptsache gut versorgt« heißen – und ich hatte den Aufhänger und den Sound, war mir jedoch nicht sicher, wohin das Ganze führt. Das änderte sich 2020, als ich die Idee wieder aufgriff und die Fassung realisierte, die dann direkt angenommen wurde und es jetzt zu lesen gibt.

Hier könnt ihr die Story kostenlos als PDF downloaden und lesen.

Gelesen: Bobby March Forever

März 16th, 2022
Alan Parks: Boby March Forever, Heyne Hardcore, 2021

Alan Parks: Bobby March Forever, Heyne Hardcore, 2021

Der Schotte Alan Parks, der im Musik-Business früher All Saints und andere Acts betreute, kam durch seinen Kumpel John Niven zum Schreiben. »Bobby March Forever« ist nun schon Parks dritter Hardboiled-Krimi über das Glasgow der frühen 70er-Jahre und seinen Cop Henry McCoy. Diesmal sucht die ganze Stadt ein verschwundenes, wahrscheinlich entführtes Mädchen – nur McCoy wird von einem Erzrivalen bei der Polizei kaltgestellt. Also sucht unser Protagonist ein anderes Mädel, das in Schwierigkeiten stecken könnte, hilft seinem Gangsterboss-Freund aus Kindheitstagen und ermittelt im Mord an Bobby March.

Der fiktive Musiker, der mit Iggy und Syd high wurde und als begnadeter Studiogitarrist für die Stones spielte, fällt natürlich genau in Parks Hoheitsgebiet. Doch auch sonst erweckt der Schotte das Glasgow der 70er wieder voller Schatten und Stimmung zum Leben, obwohl er im dritten Band einen ungewöhnlich heißen Sommer beschreibt und Detectice Zufall ein, zwei Mal nachhelfen muss. Die Ermittlungen und Verstrickungen von McCoy haben trotzdem wieder einem super Flow, und ungefähr ab der Mitte wird der Stoff richtig finster und rechtfertigt das Hardcore im Logo. Die »Hank McCoy«-Serie ist und bleibt eine sichere Nummer, man freut sich auf jeden neuen Band in der Übersetzung von Conny Lösch.

Witziges Easter Egg für Fans des Tartan-Noir: Alan Parks erweist sogar Liam McIlvanneys Roman »Ein frommer Mörder« seine Referenz und verortet die Antihelden McCoy und McCormack damit im selben historischen Krimi-Universum.

Ein neuer ComicTalk: Dragman & Lederstrumpf

März 11th, 2022

Es stehen ein paar neue Videos zum aktuellen ComicTalk mit Hella von Sinnen und ihren Gästen online.

Ich hab diesmal die Scripts der Video-Trailer zum Trans-Superhelden-Comic »Dragman« und zum abermals adaptierten Abenteuerklassiker »Lederstrumpf« beigesteuert:

Best Artist Award-Nominierung für Mr. Kümmel

Februar 23rd, 2022

Timo ist nominiert

Timo Kümmel hat die meisten meiner bisherigen Bücher mit einem Cover versehen (angefangen 2008 bei »Der Preis des Lebens«, zuletzt 2021 »Sherlock Holmes und die Tigerin von Eschnapur«).

Außerdem darf/muss er sich seit Jahren als einer meiner wichtigsten Testleser durch meine gesamte Fiction lesen. Das ist anscheinend gut fürs Karma, denn nun wurde Timo vom Science Fiction Club Deutschland. e.V. für den Best Artist-Award der European Science Fiction Society nominiert.

Keine Ahnung, ob er meine Geschichten und Romane noch beta-lesen wird, wenn er einen internationalen Preis gewonnen hat, aber ich drücke ihm und seiner Kunst natürlich alle die Daumen!

Hier geht’s zu Timos Blog-Eintrag zur Nominierung.

Gelesen: Corto Maltese – Schwarzer Ozean

Februar 7th, 2022
Corto Maltese: Schwarzer Ozean, Schreiber & Leser 2022

Corto Maltese: Schwarzer Ozean, Schreiber & Leser 2022

Nicht nur, dass die historischen Abenteuer von Hugo Pratts Comic-Ikone Corto Maltese seit einiger Zeit offiziell durch Ruben Pellejero und Juan Diaz Canales mit neuen Alben über die Vergangenheit fortgeführt werden.

Nein, nun gibt es sogar eine autorisierte Modernisierung des Klassikers: »Corto Maltese: Schwarzer Ozean«, inszeniert von Autor Martin Quenehen und dem fantastischen Künstler Bastien Vivès (»LastMan«, »Eine Schwester«) – und soeben bei Schreiber & Leser auf Deutsch erschienen.

In ihrem Album wird der lässige Antiheld aus Pratts vielen, teils revolutionären Comic-Highlights zum Piraten, Glücksritter und Schatzsucher kurz nach dem Millennium, wo es Corto nach Japan und in die Anden verschlägt. Das eher episodisch strukturierte Update des Seemanns macht dabei nicht alles, aber doch viel richtig.

Vor allem holt man den Spirit und die Essenz von Corto wirklich gut ins 21. Jahrhundert, obwohl es in die gleich wieder etwas überholte Ära von Nine-Eleven und der Klapp-Handys geht. Aber diese 20 Jahre Versatz reichen, um trotz Moderne einen leicht historischen Touch an einer zeitgeschichtlichen Wegmarke zu haben, und das trifft zwar nicht den aktuellen Hightech-Zeitgeist, allerdings wieder voll den Geist von Pratt und seinen ursprünglichen Legenden über Corto und Rasputin, die manches Schlachtfeld der Weltgeschichte sahen. Und auch Mythen, Bücher und das Lesen spielen wieder eine wichtige Rolle, Pratts Meta-Faktor wird also zwischen 2001 und 2022 ebenfalls respektiert.

»Corto Maltese: Schwarzer Ozean« liest man gerne und da würde man durchaus mehr von lesen, natürlich ein ganzes Stück weit wegen Bastien Vivès’ gewohnt stylishen Bildern, die sehr gut zu Corto passen – egal, durch welche Gezeiten oder Zeit der Freigeist denn nun törnt.

2021 oder: Ein Jahr in Prosa

Dezember 31st, 2021

Eine Storysammlung sowie allerhand Kurzgeschichten in Magazinen, Zeitschriften und Anthologien: Das war mein Pandemie-Jahr 2021 in Prosa bzw. in einem Bild:

Meine Prosa-Veröffentlichungen 2021

Meine Prosa-Veröffentlichungen 2021 – ein Klick vergrößert das Foto

Die SF-Story aus Spektrum der Wissenschaft 4.21 könnt ihr übrigens noch immer hier kostenlos als PDF downloaden, die Kurzgeschichte aus phantastisch! #84 wurde an dieser Stelle als Podcast-Lesung vertont, und die Vignette um den Fall der verschollenen Bücher aus dem Sherlock Holmes Magazin #49 erschien ursprünglich serialisiert in diesem Blog.

Mal sehen, was 2022 bringen wird. Zumindest story-technisch kann ich eine erste Prognose wagen und sagen, dass z. B. Erzählungen bei Spektrum der WissenschaftExodus und dem SHM schon angenommen & in Vorbereitung sind.

Seifenblasen-Preis für Sherlock und die die Tigerin

Dezember 31st, 2021

Im letzten 2021er Temporamores-Newsletter für phantastische Neuigkeiten aus der Zukunft hat Herrmann Ibendorf wieder seine sympathisch subjektiven Temporamores-Awards verliehen. Die Awards, namenstechnisch von Kurd Laßwitz inspiriert, werden seit 2007 vergeben.

Ich freue mich über einen Seifenblasen-Preis für »Sherlock Holmes und die Tigerin von Eschnapur« (Atlantis) als beste Storysammlung, und für meinen Anteil an der Science-Fiction-Anthologie »Macht & Wort« (Hirnkost), die mit dem Traumkristalle-Preis für die beste Anthologie ausgezeichnet wurde.

Weitere Preisträger sind dieses Jahr u. a. Andreas Eschbach, Kim Stanley Robinson, Annie Francé-Harrar und Charles Platt.

Neu im Handel:
Sherlock Holmes und die Tigerin von Eschnapur
@MisterEndres

MICRO-STORY der Woche von Twitter:

Erinnerst du dich noch an die magischen Ponys? Wohin sind die eigentlich verschwunden?

Sie haben ihr Glitzern verloren.

Oh. Und deshalb wurden sie ...?

Was? Nein. Natürlich nicht. Sie zogen los, um es wiederzufinden.

Ach so. Und dann?

Dann wurde es hier ziemlich finster.

Immer alle Storys auf Twitter @MisterEndres

Backlist:
Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen
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