Archive for the ‘Sherlock Holmes’ Category

Die Legende von Sherlock Holmes

Sonntag, Mai 15th, 2016
Der Guide zur SherloCon 2016

Der Guide zur SherloCon 2016

Ende April fand der dritte SherloCON der Deutschen Sherlock Holmes Gesellschaft statt, und was genau es in Saarbrücken zu sehen und erleben gab, kann man u. a. hier nachlesen und anhand der Fotos erahnen.

Außerdem erschien zum Event ein offizieller Guide, den auch Nichtbesucher erwerben können. Das 88 Seiten starke A5-Taschenbüchlein stand dieses Jahr ganz im Zeichen von Professor Moriarty und ist sehr liebevoll wie ein Tagebuch aufgemacht – die Fiction-Beiträge sehen daher auch alle aus wie von Hand geschrieben oder auf Schreibmaschine getippt. Neben einem Vorwort bzw. Grußwort zum Con von Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz warten Beiträge von Franziska Franke, Peter Wayand und J. J. Peyer.

Von mir stammt die Kurzgeschichte Die Legende von Sherlock Holmes – eine meiner geliebten Meta-Spielereien aus der Baker Street und mit dem Mythos vom Meisterdetektiv und seinem Chronisten, in diesem Fall natürlich mit einem ganz besonderen Moriarty-Kniff, der mir selbst immer noch ungebührlich gut gefällt.

Nicht auszuschließen, dass die Story irgendwann noch mal irgendwo nachgedruckt wird, fürs Erste ist sie allerdings nur im Guide zur SherloCON 2016 erhältlich, von dem es nicht mehr endlos viele Exemplare gibt, vermute ich.

Das Wild ist auf, Watson …

Sherlock Holmes Magazin #23, Nautilus #134 & mehr

Freitag, Mai 29th, 2015
Sherlock Holmes Magazin #23

Sherlock Holmes Magazin #23, Mai 2015

Frisch aus dem Briefkasten gezogen: In der 23. Ausgabe des Sherlock Holmes Magazins gibt es nicht nur die neue Holmes-Story von – angeblich – Sir Arthur Conan Doyle zum ersten Mal in deutscher Sprache (samt hilfreicher Fußnoten sowie Analyse und Einordnung), sondern auch meinen XXL-Werkstattbericht und eine exklusive Leseprobe zu Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen.

Ein besseres Umfeld und eine bessere “Nachbarschaft” kann man sich als Holmes-Autor nicht wünschen …

Im der 134 . Ausgabe der Nautilus – Abenteuer & Phantastik hat Daniel Bauerfeld außerdem meinen Roman rezensiert und den Buchtipp mit ein paar O-Tönen von mir aufgepeppt, in denen ich mich über Fantasy-Alternativwelt/Holmes-Pastiches und Conan Doyles Ikonen auslasse.

Horst Illmer hat die tanzenden Drachen außerdem auf comicdealer.de vorgestellt (im Kult-Laden im Frauenland in Würzburg liegen noch ein paar Hardcover, by that way), und inzwischen wird auch schon hier und da über den Roman gebloggt.

Ansonsten ist die Eintrags-Frequenz hier im Blog leider noch immer nicht wieder so, wie ich mir das eigentlich gewünscht habe nach dem Crash, aber im System hängen derzeit wirklich viele Texte für diezukunft.de, Panini, Geek! und Co., und die müssen eben alle geschrieben werden.

Gewinnspiel

Freitag, Mai 15th, 2015

Es gibt was zu gewinnen:

Auf diezukunft.de werden bis zum 1. Juni zwei signierte Hardcover-Exemplare von Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen verlost.

Kein Rätsel, keine Frage – einfach das Kontaktformular benutzen und hoffen, dass die Los-Faerie den richtigen Namen zieht.

Hier geht’s zum Gewinnspiel.

Sherlock Holmes und die signierten Exemplare

Donnerstag, Mai 7th, 2015

Der Postbote war dankbar, dass er mich gerade am Auto erwischt hat und ich die Kartons dann selber ins Haus schleppen durfte …

Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen, Hardcover & Paperbacks

Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen, Hardcover & Paperbacks

Jetzt wird signiert und eingetütet – wer also ein signiertes und/oder gewidmetes Exemplar beim Verlag bestellt hat, sollte nächste Woche Post bekommen …

Erschienen: Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen (Print)

Samstag, Mai 2nd, 2015
Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen, Atlantis 2015

Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen, Atlantis 2015

Die Paperbacks und Hardcover zu meinem Roman Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen sind seit Donnerstag fertig und endlich offiziell in der Auslieferung.

Nächste Woche dürften sie in den Briefkästen und Packstationen aller Vorbesteller liegen, und hoffentlich dann auch in allen Online-Shops feilgeboten werden.

Die schmucken Paperback gibt’s überall im Handel – die verdammt schicken Hardcover exklusiv über den Atlantis-Webshop.

Jetzt heißt es also wirklich, wie der Klappentext der Print-Ausgaben verkündet: Der Meisterdetektiv gegen Magie und Moriarty!

Es gibt also geballten Nachschub für alle Fans meiner Holmes-Pastiches aus Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes sowie diversen Anthologien und Magazinen.

Worum es im Roman geht? Darum:

Im viktorianischen London dieses atmosphärischen Fantasy-und Alternativwelt-Krimis ist alles anders! Der Premierminister ist Sherlock Holmes’ Erzfeind James Moriarty, über der Stadt kreisen die Drachen der königlichen Luftwaffe, die flinken Faerieboten zischen durch die Straßen, und im Untergrund treiben die Zwerge aus König Oberons Reich den Bau des Schienennetzes voran. Im East End meuchelt Jack the Ripper außerdem leichte Elfendamen, während seine Sympathisanten – die Jacks – offen zur Gewalt gegen alle Feenländer aufrufen. Die Hauptstadt des Empires ist ein Pulverfass, und ausgerechnet jetzt wird das legendäre Königsmacherschwert Excalibur aus dem British Museum gestohlen! Sherlock Holmes und Dr. John Watson versuchen, die verzauberte Klinge zu finden, damit London zwischen Intrige und Verrat nicht noch tiefer im Chaos versinkt. Doch während sie nach dem Schwert fahnden, nehmen finstere Pläne Gestalt an und bedrohen London und das gesamte Land – und den Frieden zwischen England und Feenland…

Elementar. Viel Spaß beim Lesen!

Dr. Watson = Dr. Banner?

Donnerstag, April 30th, 2015

Wer jetzt auf Fan-Art oder Fan-Fiction mit Dr. Watson und dem Hulk gehofft hat, wird leider enttäuscht, sorry.

Dafür: Große Präsentation des Werbe-Webbanners zu Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen, und wie immer vergrößert ein Klick das Bild zu voller Pracht und Herrlichkeit…

Banner: Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen

Well done, Mr. Kümmel!

Magie & Moriarty

Samstag, April 25th, 2015
Geek! #18: Magie & Moriarty.

Geek! #18: Magie & Moriarty.

In der frisch erschienenen Geek! #18 gibt es eine kleine Meta-Einstimmung auf Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen. 

Die letzten Monate wurden auf meiner müden, blank getippten Apple-Tastatur leider nicht allzu viele Fiction-Texte produziert, da meistens Non-Fiction für Panini, diezukunft.de und ein Comic-Fachbuch-Projekt angesagt war – dieser kurze Fiction-Happen hier floss eines Nachts einfach so heraus und zeigte mir wieder einmal, wieso ich mich in 221B als Autor immer sofort zuhause fühle.

Holmes und Watson in typischer Baker-Street-Atmosphäre, viele Kleinigkeiten zu den Naturells der beiden Herren und ihrer Freundschaft und Beziehung, ein bisschen Augenzwinkern und ein paar Anspielungen, und dann noch einen Mr. Endres als Agenten und die Story von S. H. u. d. tanzenden Drachen eingebaut – fertig ist die Vignette, die hoffentlich Appetit auf den Roman macht (okay, es gab noch zwei Überarbeitungen, u. a. um auf Magazinseitenlänge zu kommen).

Und das schöne Layout des Beitrags in der Geek!, in der es diesmal ansonsten vor allem um Game of Thrones, Mad Max und die neue Dimension des Serien-Fernsehens geht, schadet sicher auch nicht (von mir sind im Heft noch der zweite Teil meines langen E-Book-Artikels, Artikel zu den neuen Büchern von Pat Rothfuss und Jasper Fforde, und ein Interview mit Moon-Knight-Zeichner Declan Shalvey).

Die Paperbacks von Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen sollen übrigens – so der letzte Stand der Dinge, Watson – am 30. April aus der Druckerei kommen, die Hardcover ein paar Tage später.

Was lange währt, und so.

Das E-Book ist, nur um das noch mal zu erwähnen, schon eine Weile erhältlich.

Kostenlose Kurzgeschichte: Sherlock Holmes und die Königin der Affen

Montag, April 20th, 2015
Sherlock Holmes und die Königin der Affen

Kostenlose, exklusive Kurzgeschichte: Sherlock Holmes und die Königin der Affen

Vorglühen einmal anders:

Um die Wartezeit zwischen dem bereits veröffentlichten E-Book von Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen und den Print-Ausgaben des Romans ein wenig zu verkürzen oder gar zu versüßen, gibt es meine neue Kurzgeschichte Sherlock Holmes und die Königin der Affen exklusiv als kostenloses E-Book.

Hier der Direkt-Link zum Download der PDF-Datei – und hier gibt es sie bei Beam.

Was Holmes und Watson auf Gibraltar erleben und was das mit H. G. Wells zu tun hat?

Lest die Story und findet es heraus…

Viel Spaß bei der Lektüre!

Erschienen: Sherlock Holmes u.d. tanzenden Drachen (E-Book)

Sonntag, April 12th, 2015
Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen, Atlantis 2015

Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen, Atlantis, April 2015

Da es noch ein bisschen dauert, bis das Paperback und das exklusiv über den Verlag zu beziehende Hardcover aus dem Druck kommen, haben wir nun einfach schon mal das E-Book von »Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen« veröffentlicht.

Ganz schön fortschrittlich für zwei so klassische, traditionsreiche und -bewusste Recken wie den Meisterdetektiv und seinen besten Freund, Chronisten und Sidekick.

Das E-Book sollte in den nächsten Tagen überall erhältlich ein, wo auch immer ihr euren digitalen Lesestoff eben kauft – und was für ein Format auch immer euer Reader am liebsten mag.

Bei Amazon, Beam und anderen steht der historische Alternativwelt-Science-Fiction-Fantasy-Krimi sogar schon ab jetzt zum Download bereit.

Der digitalen Lektüre dieses fantastischen Falles des bekanntesten Ermittlers aller Zeiten steht also nichts mehr im Wege. Das Wild ist auf, um es mal mit diesen vertrauten Worten aus der Baker Street zu sagen.

So go and get it, Watson!

Leseprobe: Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen (1)

Samstag, April 4th, 2015
Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen, Atlantis 2015

Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen, Atlantis 2015

Heute gibt es mal eine erste längere Leseprobe zu »Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen«, um die Wartezeit zu überbrücken und die Verzögerung in der Herstellung zumindest ein bisschen zu kompensieren. Kokain für die Holmesianer, oder so. Bei der folgenden Textstelle handelt es sich um den Anfang des Siebten Kapitels, in dem es zunächst um die Therapie mithilfe von Kaffee und Tinte und Kameradschaft geht – natürlich 100% spoilerfrei, sieht man einmal davon ab, dass Watson eine ausgesprochen harte Nacht hinter sich hat … 

Am nächsten Morgen erwachte ich zu fortgeschrittener Stunde und zum Gejammer einer Katze, der irgendwo in der Nachbarschaft Schreckliches angetan wurde, so, wie das arme Tier wehklagte. Ich musste mich erst noch etwas weiter von den Eindrücken meiner erwartungsgemäß reichlich wüsten und wirren Träume entfernen, um zu erkennen, dass es sich nicht um die Laute einer gequälten Katze handelte, sondern um das improvisierte Geigenspiel meines Mitbewohners. Holmes saß offensichtlich im Salon und frönte einmal mehr seinen wechselhaften, stark von seiner Laune und Verfassung abhängigen musikalischen Neigungen, ohne dabei viel auf die Schönheit seines Spiels zu geben. Das soll nun keineswegs heißen, dass Holmes nicht spielen konnte. Er konnte sogar ganz famos den alten deutschen und ungarischen Meistern nacheifern und das Herz mit seinen Interpretationen von Pugnani oder de Sarasate erwärmen – wenn er das denn wollte. Wenn er die Geige, so wie an diesem Vormittag, jedoch nur dazu missbrauchte, seine langen blassen Finger zu beschäftigen, derweil er über die Besonderheiten eines Falles nachgrübelte, der ihn gerade beschäftigte, und abwesend über die Saiten kratzte und ihnen schiefe Töne entlockte, klang es mehr nach der Hinterhofweihnachtssonate des Katzenjammerorchesters oder einer ganzen Rotte schlecht geölter Gartentore, die sich an Händel versuchten.

Trotz allem hatte das schiefe Geleier etwas ungemein Vertrautes, als ich in meinen Hausmantel und meine gefütterten Pantoffeln schlüpfte und mit einem stechenden Kopfschmerz in das gemeinschaftliche Wohnzimmer schlurfte, das wie der Himmel über der Stadt angenehm duster war.

»Guten Morgen, Watson!«, begrüßte mich Holmes, der, wie zu erwarten, ebenfalls im Morgenmantel in seinem Lieblingssessel saß, die Geige auf den spitzen Knien. Er schmunzelte leicht ob meiner augenmerklich schlechten Verfassung, sagte aber sonst nichts weiter dazu, dass ich es einmal nicht fertig angekleidet an den Frühstückstisch schaffte und stattdessen seinem modischen Beispiel folgte. »Mrs. Hudson bringt gleich frischen Kaffee«, meinte er lediglich jovial und strich versonnen über die Saiten seines Instruments, das öfter mit Missbrauch denn Muse konfrontiert wurde. »Ich habe ihr gesagt, sie soll ihn heute besonders stark machen – ich nehme an, das ist in Ihrem Sinne. Die gute Mrs. Hudson sah im Übrigen etwas verstimmt aus und murmelte etwas von schlechtem Umgang und noch schlechterem Einfluss.« Holmes sah mich in gespieltem Erstaunen an. »Können Sie mir sagen, wer von uns damit gemeint war? Ausnahmsweise bin ich mir nämlich nicht ganz sicher.«

Ich grunzte unwirsch und zog mich kommentarlos in mein Zimmer zurück, um mich zum neuerlich einsetzendem Gejammer von Holmes’ gequälter Geige zu waschen, zu rasieren und anzuziehen. Das eigensinnige Spiel des Detektivs verstummte, ehe ich den Rasierschaum mit dem Dachshaarpinsel über meine untere Gesichtshälfte verteilt hatte, was ich als Zeichen dafür nahm, dass Mrs. Hudson bereits das Frühstück auftrug. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee, der mich aus der Ferne lockte, bestätigte diese Annahme und ließ mich geschwind in meine Hosen und mein Hemd schlüpfen.

Als ich in den Salon zurückehrte, standen Kaffee, Eier, Würstchen und Speck, Toast, Butter und Brombeermarmelade wie ein einladendes Versprechen auf dem großen Esstisch im Salon. Mein Magen ließ sich zu einem Knurren hinreißen, das mich in feinere Gesellschaft sicherlich disqualifiziert hätte. Zu meiner Verteidigung muss gesagt werden, dass ich in der vergangenen Nacht – aus übertriebener Vorsicht, wie ich gerne zugebe, denn natürlich kannte ich die Geschichten über jene armen verlorenen Seelen, die Trank und besonders Speis in Feenland angenommen hatten, auch wenn Wilde mir versichert hatte, ich könne dort unten bedenkenlos zugreifen – nichts gegessen hatte. Bei Anblick der morgendlichen Köstlichkeiten aus Mrs. Hudsons Küche merkte ich erst, wie hungrig ich nach den Erlebnissen der letzten Nacht tatsächlich war. Darüber hinaus erfüllte das üppige Frühstück noch einen anderen Zweck, der mir nach den nicht weniger üppigen Eindrücken meines nächtlichen Ausflugs sehr entgegenkam: Denn egal wie ereignisreich ein Tag war und wie turbulent und zuweilen sogar grauenhaft er womöglich endete – wenn Holmes und ich morgens am Frühstückstisch beisammensaßen, war da dann doch immer viel Platz für behagliche, beruhigende Routine, die einem die nötige Gelassenheit zurückbrachte, um sich den Dingen mit einer anderen Perspektive und weniger Verzweiflung oder Verbissenheit zu nähern. Das Sprichwort, dass die Welt am Morgen stets anders aussieht, hat meiner Erfahrung nach nicht allein mit den paar Stunden Abstand durch den Schlaf zu tun, sondern auch mit einem ordentlichen Frühstück.

Mrs. Hudson hätte dem sicher beigepflichtet, egal welche Ressentiments sie derzeit gegenüber ihren beiden Mietern in 221B hegte.

Auch an diesem kalten, grauen Novembermorgen hatte mich die heimelige Routine bereits nach der zweiten Tasse Kaffee – schwarz wie die Nacht; seit Afghanistan trank ich ihn ohne Zucker oder Milch – wieder, und so machte ich mir nach dem Frühstück sogar ein paar erste Notizen zu den Vorkommnissen im Fall des verschwundenen Königsschwertes und der letzten Nacht, was mir beides gleichsam beim Verarbeiten half.

Kaffee und Tinte als Therapie, wenn man so möchte.

Am Frühstückstisch erfreuten Holmes und ich uns meist an der stillen Kameradschaft des anderen, während jeder von uns seinen eigenen Angelegenheiten nachging, bis die Kaffeekanne mindestens zur Hälfte geleert und die Zeit einer Überschneidung unserer Gedankenwelten angebrochen war.

Sobald Holmes mit Lesen und Verstümmeln der Morgenausgaben von Times, Standard, Telegraph und Co. fertig war, ging mein Freund in der Regel bereits dazu über, seine Post zu sortieren. Der Detektiv bekam jeden Morgen einen ganzen Stapel Briefe, Postkarten und Telegramme, mit Poststempeln und Briefmarken aus aller Welt. Tag für Tag galt es, von Neuem zu entscheiden, welches Schreiben sofortiger Beschäftigung oder Antwort verlangte und welches er mit dem Dolch auf den Kaminsims pinnen konnte. Dabei sog Holmes genüsslich an seiner Pfeife, die er mit dem widerlichen Shag-Tabak vom Vortag gestopft hatte, der auch an diesem Morgen in seinem einsamen persischen Pantoffel darauf gewartet hatte, die abartigen Rauchgelüste meines Freundes zu befriedigen.

»Etwas Interessantes dabei?«, fragte ich, derweil ich mir überlegte, ob ich Shermans außergewöhnliches Haustier bei einer späteren Niederschrift des gegenwärtigen Falles erwähnen sollte oder lieber nicht. Insgeheim hoffte ich außerdem, dass mein Klient aus dem Kaiserreich mir vor seiner Abreise noch eine traurige, aber dankbare Antwort geschickt haben mochte, die sich in Holmes’ Morgenpost befände.

Holmes sah nicht von den aufgefächerten Schreiben auf, die er wie ein professioneller Kartenspieler aus Deadwood in der Hand hielt und mit spitzen Fingern sortierte. »Sie meinen, etwas, das Sie auf Ihren romantischen Streifzügen in die Gefilde der Trivialliteratur ausschlachten könnten?« Der Detektiv lächelte nicht. »Hier hätten wir einen Brief aus Amerika. Es scheint mal wieder Ärger um Mr. Pembertons Formel zu geben. Alle wollen sein Getränk. Muss am Kokain liegen«, fügte Holmes trocken hinzu.

Ich warf ihm einen grimmigen Blick zu, doch schien mein Freund nicht geneigt, sein verdammenswertes Laster an diesem Morgen weiter zu thematisieren, und lenkte meine Aufmerksamkeit stattdessen auf eine andere Nachricht in seinem Postfächer.

»Wann werden Sie Mr. Ritchie eigentlich endlich ganz offen sagen, dass Sie keine Adaption Ihrer Geschichten auf der Bühne sehen wollen, Watson? Inzwischen vergeht keine Woche, da er mich nicht in einem Brief bekniet, Ihnen ins Gewissen zu reden. Ihre Hinhaltetaktik scheint bei ihm nicht zu fruchten. Er ist hartnäckig. Und er hat Talent. Ich habe einige seiner Stücke gesehen.«

»Wie die meisten Schriftsteller ertrage ich es schon kaum, meine eigenen Werke noch einmal zu lesen, wenn sie gedruckt wurden, Holmes. Wie soll das erst sein, wenn sich ein anderer meiner Texte annimmt und sie auf der Bühne zum Leben erweckt?«

»Vielleicht tut eine frische Perspektive Ihren kleinen Fantasien ja sogar ganz gut? Aber was weiß ich schon von Literatur, was?« Der Detektiv schmunzelte mephistophelisch in sich hinein. »Und was haben wir denn hier? Eine Dankeskarte von Mr. Stevens, abgestempelt in Paris! Hm-mh. Er lässt Sie grüßen, Watson. Sie erinnern sich doch sicher noch, nicht wahr? Ich glaube, Sie haben den entsprechenden Fall sogar zu einer Ihrer Geschichten gemacht, die Mr. Conan Doyle dem Strand bisher nur nicht schmackhaft machen konnte. Radau im Rosenbeet war der Titel, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt.«

Diesmal war ich es, der das Thema nicht weiter vertiefte. Holmes mit seinem geradezu fotografischen Gedächtnis wusste so gut wie ich, dass ich die betreffende Episode als Der Fall des Rosenzüchters niedergeschrieben habe. Holmes hatte Mr. Stevens damals dabei geholfen, nachzuweisen, dass Stevens und nicht sein Kollege Mr. Jones der Erste gewesen war, der die edle Rosensorte Betty Page gezüchtet hatte; Holmes hatte die wahre Herkunft der gestohlenen Rose anhand von Blattläusen belegen können, die es nur in Stevens Gewächshaus gab. Ich werde nie das Gesicht des sympathischen Mannes vergessen, als Holmes ihm sagte, er solle sich bei seinen Blattläusen bedanken!

Dennoch erinnerte mich die Erwähnung der kleinen Schädlinge etwas zu sehr an meine Begegnung mit den Jacks gestern Nacht, und so wollte ich schnell das Thema wechseln. Diese Dinge niederzuschreiben, war eines – Holmes womöglich mit meinem Unbehagen auf eine Fährte zu stoßen, etwas anderes.

»Was macht Stevens in Paris?«

Holmes paffte einmal, ehe er antwortete. »Wie es aussieht, haben er und seine Betty bei einer Gartenschau in Paris den ersten Preis gewonnen. Wobei ihn die Ehre und der Sieg mehr erfreuen als der eigentliche Hauptgewinn, wenn ich das hier richtig interpretiere. Sein Preis scheint laut Mr. Stevens nämlich ein Rundflug mit etwas zu sein, das er hier als halsbrecherischen Rucksack mit Dampfturbinenantrieb beschreibt. Hm! Faszinierend!«

»Würden Sie etwa mit so einem Ding fliegen?«, fragte ich Holmes entsetzt.

»Das kommt ganz darauf an«, gab mein Freund sardonisch zurück und schritt durch den Salon, wobei er einigen hoffnungslos überladenen Beistelltischchen mit allen möglichen chemischen Aufbauten und sonstigen Experimenten sowie mehreren Buchstapeln auf dem Boden ausweichen musste. Am Kamin angekommen, zog er den Dolch wie Excalibur aus dem Sims, legte die neuen Briefe und Karten auf die bereits dort abgelegte Post und spießte den neuerlich angewachsenen Stapel unbeantworteter Korrespondenz erneut auf. Anschließend wandte er sich mir mit ernstem Gesicht zu. »Könnte ich damit Moriarty überführen, würde ich mich sogar auf den Rücken eines Pinguins setzen und mit ihm vom Victoria Tower stürzen und um die Wette flattern, Watson.«

Neu:

Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen

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