Archive for the ‘Lesestapel’ Category

Gelesen: Der Prinz der Drachen: Durch den Mond

Mittwoch, Juli 7th, 2021
Dragon Prince Bd. 1: Durch den Mond, Cross Cult 2021

Dragon Prince Bd. 1: Durch den Mond, Cross Cult 2021

Netflix’ »The Dragon Prince« alias »Der Prinz der Drachen« gehört seit ein paar Jahren zu meinen liebsten Fantasy-Animationsserien sowie Genre-Guilty-Pleasures, wobei die nächste Staffel wohl vor allem wegen Corona schon viel zu lange aussteht. Gut, dass bei Cross Cult nun der erste offizielle Comic zur Webfernsehserie auf Deutsch erschienen ist.

»Der Prinz der Drachen: Durch den Mond« setzt am Ende der dritten, bis dato letzten Season ein und bringt uns eine erste zaghafte Fortsetzung der Ereignisse. Die Geschichte haben sich auch die beiden Serienschöpfer Aaron Ehasz und Justin Richmond ausgedacht; die Umsetzung des Comics oblag dann Autor Peter Wartman (»Avatar – Der Herr der Elemente«), die Zeichnungen stammen von Xanthe Bouma (»5 Worlds«).

Das erste Panel-Abenteuer der Gang um Callum, Ezran und Rayla ist recht ordentlich inszeniert für so einen typischen Comic-zur-Serie, bleibt den sympathischen Figuren jederzeit treu. Und obwohl es storytechnisch meistens nur nettes Geplänkel zu lesen gibt, kann man an ein, zwei Stellen doch deutliche Hinweise darauf erkennen, wohin die Reise in der vierten Staffel auf Netflix demnächst gehen dürfte.

Dieser Comic zu »Der Prinz der Drachen« ist also klar ein Fanprodukt, etwas zur Überbrückung bis zu den neuen Folgen und nichts für Einsteiger in das Franchise, aber unter diesen Aspekten und für die Zielgruppe eben gar nicht mal so übel.

Carlos Ruiz Zafón: Der Friedhof der vergessenen Bücher

Montag, Juni 21st, 2021
Carlos Ruiz Zafón: Der Friedhof der vergessenen Bücher

Carlos Ruiz Zafón: Der Friedhof der vergessenen Bücher

Dieses Buch ist die letzte Sammlung mit Kurzgeschichten des spanischen Autors Carlos Ruiz Zafón, der 2020 im Alter von 55 Jahren verstorben ist. Seine Schmöker um das historische alte Barcelona begeisterten weltweit Millionen Leserinnen und Leser, angefangen bei »Der Schatten des Windes« und »Das Spiel des Engels«.

Zafón barocke Sprache lädt stets zum Schwelgen ein, die schaurigen, bittersüßen Storys über Autoren und andere Buchmenschen, Teufel, düstere Engel und schöne Frauen haben eine ganz eigene Stimmung, einen ganz eigenen Sog. Das gilt auch für diese Schnipsel, in denen sogar Miguel de Cervantes und Gaudí zu Protagonisten werden, es außerdem um Drachen, Labyrinthbauer und Auftragskiller geht.

Ein schöner letzter, aber zur Not auch guter erster Streifzug durch Zafóns meta-literarisches Universum um den Friedhof der vergessenen Bücher, in dem Literatur/Kunst, Liebe und andere Obsessionen zugleich Rettung wie Verderben bedeuten.

Finsteres Schneewittchen im Tagesspiegel

Sonntag, Mai 9th, 2021
Colleen Doran, Neil Gaiman: Snow, Glas, Apples, Splitter 2021

Colleen Doran, Neil Gaiman: Snow, Glas, Apples, Splitter 2021

Die amerikanische Künstlerin Colleen Doran (»Orbiter«, »Sandman«) hat in »Snow, Glass, Apples«, das bei Splitter gerade im Album-Überformat auf Deutsch erschienen ist, eine Prosa-Kurzgeschichte von Neil Gaiman (»Sandman«, »American Gods«) als Comic adaptiert.

Herausgekommen ist eine schockierend gruselige und drastische Schneewittchen-Spiegelung, und einer meiner persönlichen Comic-Favoriten der letzten Jahre.

Doran fängt den Horror von Gaimans cleverer, finsterer Neuinterpretation aus den 1990ern sehr gut ein. Ihre wunderschönen, geradezu fließenden Seiten bedienen sich bei Glasmalerei, Manga und Jugendstil, Ornamentik spielt eine wichtige Rolle.

Dafür gab es zurecht den Eisner und den Bram Stoker Award.

Im Comic-Portal des Berliner Tagesspiegel ging gerade mein langer Artikel zur Comic-Adaption online, in dem ich auch die Hintergründe der ursprünglichen Story behandle. Hier geht’s zum Beitrag »Finsteres Märchen: Wie Neil Gaiman Schneewittchen zu neuem Leben erweckt«.

Gelesen: Lucky Luke – Wanted

Mittwoch, Mai 5th, 2021
Lucky Luke: Wanted, Egmont 2021, © Lucky Comics, 2021 – All Rights Reserved by Matthieu Bonhomme

© Lucky Comics, 2021 – All Rights Reserved by Matthieu Bonhomme

Zum zweiten Mal spielt der französische Künstler Matthieu Bonhomme (»Texas Cowboys«, »Esteban«), der Lucky Luke zu seinen Kindheitsfreunden zählt, mit dem Mythos des Revolverhelden, der schneller zieht und schießt als sein Schatten. Nach seinem grandiosen ersten Hommage-Album »Der Mann, der Lucky Luke erschoss« legt der 1973 geborene Bonhomme mit »Lucky Luke: Wanted« eine weitere eigenständige, individuelle Interpretation der Comic-Ikone vor, die im Dezember ihren 75-jährigen Geburtstag feiert.

Die Story der neuen Würdigung: Ausgerechnet der lässige, stets dem Guten verpflichtete Lucky Luke wird per Steckbrief gesucht! Trotzdem helfen er und sein getreues Pferd Jolly Jumper drei hübschen Schwestern dabei, ihre Rinderherde durch die Wüste zu bringen, wo es schon ohne Kopfgeld genügend Gefahren zu bestehen gilt …

Das hat humoristischen Seiten, wann immer Monsieur Bonhomme augenzwinkernd mit der von ihm so geliebten Comic-Legende spielt, zielt jedoch nie darauf ab, ein klassischer, allzu vorwitziger und pfiffiger Funny zu sein. Dafür handelt es sich bei »Lucky Luke: Wanted« um einen überragend geschriebenen, gezeichneten und kolorierten Panel-Western und eine wunderbare Hommage an den Poor Lonesome Cowboy.

Bonhommes unabhängig zu lesende Werke »Der Mann, der Lucky Luke erschoss« und »Wanted« sind das Beste, was Lucky Luke seit Langem passiert ist – es lohnt sich, sie auch dann zu lesen, wenn man sonst lieber um den Cowboy herum reitet, den die Altmeister Morris und Goscinny geprägt haben. Beide Bände gibt es als Hard- und Softcover bei Egmont.

Gelesen: Der Abstinent von Ian McGuire

Freitag, April 23rd, 2021
Ian McGuire: Der Abstinent, dtv 2021

Ian McGuire: Der Abstinent, dtv 2021

Mit seinem brutalen Abenteuerroman »The North Water« sorgte der englische Autor Ian McGuire 2016 für Begeisterung. 2018 übertrug Joachim Körber (Übersetzer von Stephen King, Fritz Leiber und anderen) das Buch als »Nordwasser« für den Mare Verlag ins Deutsche, aktuell entsteht eine BBC-Fernsehserie mit Colin Farrell in der Hauptrolle. Jetzt hat Jan Schönherr Ian McGuires neuen Roman »The Abstainer« unter dem Titel »Der Abstinent« für dtv eingedeutscht.

Die Geschichte irischer Terroristen, eines schwer angeschlagenen, gerade so abstinenten Polizisten aus Dublin und diverser Spitzel im Manchester des Jahres 1867 ist definitiv auch wieder lesenswert: McGuire zeigt sich sehr effizient und gewohnt stilsicher, wenn es darum geht, sein raues historisches Setting und die Menschen darin zu beschreiben, die immerhin rund 50 Jahre vor »Peaky Blinders« um ihr Überleben und ihre Freiheit kämpfen.

Selbst das Antiklimax-Ende im Wilden Westen passt. Nur eine Sache kann »Der Abstinent« nicht überwinden: »Nordwasser«. Aus gutem Grund für den Man Booker Prize nominiert, war der Vorgänger einfach das durchschlagendere, denkwürdigere Buch.

Trotzdem ist »Der Abstinent« ein guter historischer Krimi.

Gelesen: Wie später ihre Kinder von Nicolas Mathieu

Montag, April 19th, 2021
Nicolas Mathieu: Wie später ihre Kinder, Piper 2021

Nicolas Mathieu: Wie später ihre Kinder, Piper 2021

Keine Ahnung, ob das schon unter Autorentipp fällt: Es lohnt sich meiner Erfahrung nach jedenfalls immer und aus mehreren Gründen, jene Autoren und Bücher zu lesen, welche von Autoren empfohlen werden, die man selbst schätzt und mag. Das bringt einem als Leser wie als Autor etwas.

David Joy, der mit »Wo alle Lichter enden« einen der besten Appalachen-Noir-Romane der letzten Jahre vorgelegt hat (ich schwärme regelmäßig über dieses Buch, fürchte ich, und würde am liebsten alle in meinem Umfeld zur Lektüre zwingen, wenn sie mal wieder nicht wissen, was ich an Hinterwäldler-Krimis so mag), empfahl vor einiger Zeit z. B. den Roman »Wie später ihre Kinder« des Franzosen Nicolas Mathieu.

»Wie später ihre Kinder« erschien auf Deutsch zunächst bei Hanser als Hardcover, seit Kurzem liegt ein butterweiches Paperback bei Piper vor. Im Roman, der Mathieu den Prix Concourt 2018 einbrachte, geht es um die Menschen in Heillange, einer kleinen französischen Arbeiterstadt in der Pampa und an der Grenze zu Luxemburg, wo man der verlorenen Industrie hinterher trauert. Alle Familien, ob aus Heillange oder aus Marokko, kämpfen in den 1990ern ums Kleinbürgertum, gegen den Verdruss, scheinbar gegen alles und jeden, nicht zuletzt einander.

Nicolas Mathieu beschreibt das Erwachsenwerden des jungen Anthony, der immer in irgendwelchen Ärger verwickelt ist, doch auch die Leben seiner Eltern, seines Cousins, der hübschen Stéphanie aus reichem Hause oder des Dealers Hacine aus einer Einwandererfamilie. So portraitiert Mathieu mehrere Generationen der [französischen] Gesellschaft. Ein gerne mal bitteres, wenngleich wahnsinnig gutes und lesenswertes Buch, das durch grandios kantige Prosa und Klarheit besticht.

Gelesen: Bouncer von Jodorowsky & Boucq

Donnerstag, April 15th, 2021
Bouncer, Schreiber & Leser, seit 2019

Jodorowsky, Boucq: Bouncer, Schreiber & Leser, seit 2019

Zwanzig Jahre ist es nun her, dass der chilenische Autor und Science-Fiction-Könner Alejandro Jodorowsky (»Der Incal«, »El Topo«) und der französische Künstler François Boucq (»Mondgesicht«, »Little Tulip«) ihre Westernserie »Bouncer« starteten. Pünktlich zum Jubiläum liegen beim Verlag Schreiber & Leser erstmals alle Alben der Serie auf Deutsch vor: Die ersten Geschichten in dicken Sammelbänden einer Gesamtausgabe, die neuen Abenteuer als dünnere Einzelalben in deutscher Erstveröffentlichung.

»Bouncer« ist einer der besten, aber auch brutalsten und heftigsten neuzeitlichen Comic-Western, so ein bisschen der fiese Cousin von »Blueberry«. Jodorowsky nutzt Gewalt, Obszönitäten, Freaks und das Bizarre, shakespearehafte Motive und sogar einen schamanischen Trip für die Bildergeschichten über den einarmigen Rausschmeißer und Titelhelden aus Barro City. Der frisch erschienene vierte Band der Gesamtausgabe, der mit einem Zweiteiler die Lücke zwischen altem und neuen Material schließt, ist wieder eine starke, harte und rohe Rachegeschichte. Sie führt Bouncer in ein abgelegenes Gefängnis in der Wüste, bei dem es sich jedoch um ein verkommenes Paradies für die übelsten Verbrecher handelt. Jodorowsky schlägt einmal mehr schön über die Stränge, und Boucq, der die Serie nach dieser Story alleine fortgesetzt hat, illustriert das alles gewohnt souverän und üppig. Der Wilde Westen lebt bei Boucq, und dank Jodorowsky ist er wirklich wild und hemmungslos.

Wer seine Westerncomics auch mal etwas deftiger und fieser mag, muss »Bouncer« lesen, und da sind die schicken Sammelbände eine super Gelegenheit.

Der neue Stephen King: Später

Montag, März 15th, 2021

Wenn mich in den letzten Jahren jemand gefragt hat, welches Stephen King-Buch ich empfehlen würde oder zuletzt am liebsten gelesen habe, nannte ich meistens »Mr. Mercedes« oder »Joyland«, also Mr. Kings aktuellere Krimis. Jetzt ist mit »Later« bzw. »Später« ein neuer King-Krimi erschienen, im Original sogar in der legendären, dem klassischen amerikanischen Pulp-Krimi gewidmeten Hard Case Crime-Taschenbuchreihe, die ich seit Langem schätze (und deren deutschsprachige Rotbuch-Ausgabe ich echt vermisse). Auf Deutsch gibt’s ein schickes Hardcover bei Heyne.

Die Geschichte: Der junge Jamie kann Geister sehen. Das ist gut für die Literaturagentur seiner Mutter und vielleicht sogar deren Cop-Freundin, aber nicht so gut für Jamie. Stephen King macht daraus mit all seinem Können und all seiner Erfahrung als Erzähler eine coole moderne Geistergeschichte und einen netten kleinen Krimi, wobei er im Subtext u. a. den Horror der Wirklichkeit sowie den Literaturbetrieb kommentiert. Das ergibt guten Pulp, unterhaltsamen Horror und alles in allem einen guten King. Ein Buch, das man an einem Samstag lässig durchliest und das einen dabei bestens unterhält.

Wenn’s nach mir ginge, dann würde Meister King nur noch diese 300-Seiten-Pulp-Krimis schreiben.

Pulp-Krimi und Geistergeschichte: Der neue Stephen King

Königlicher Pulp – Krimi und Geistergeschichte: Der neue Roman von Stephen King

Gelesen: The Book Tour von Andi Watson

Montag, Januar 18th, 2021
Andi Watson: The Book Tour, TopShelf 2020

Andi Watson: The Book Tour, Top Shelf Productions 2020

Die Comics des britischen Künstlers Andi Watson begegneten mir zum ersten Mal in der Zeit, da ich noch nebenberuflich als Korrektor und Redakteur für Eidalon/Modern Tales arbeitete. 2008 sah ich Watsons »Geisha« neu durch, 2009 lektorierte ich sein »Liebe + Helden«. Außerdem schickte mir Verleger Stefan Heitzmann zum Einlesen damals »Little Star« und »Breakfast After Noon«, wobei Watson auch Comics mit Buffy, Hellboy, Namor, Grendel oder zu Alien/Predator umgesetzt hat.

Zuletzt habe ich 2017 den »Glister«-Sammelband gelesen, sehr schöne und charmante All-Age-Fantasy. Nun ist Andi Watsons neuester Comic-Roman »The Book Tour« auf meinem Lesestapel gelandet – eine herrlich kafkaeske Eskalationsgeschichte über den Autor G. H. Fretwell, dessen jüngster Roman gerade erschienen ist, der auf Lesereise geht und der on tour wirklich viel durchmachen muss: Kein Schwein kommt zu seinen Signierstunden in die kleinen Buchläden, sein Verleger lässt ihn in mehr als einer Hinsicht hängen, die Motels sind furchtbar, und dann verdächtigt die Polizei ihn auch noch, ein Serienmörder zu sein.

Lange habe ich nicht mehr so mit einem Comic-Protagonisten gelitten, während ich zugleich Andi Watsons unaufgeregte Inszenierung, seinen passend krakeligen und schlichten Zeichenstil und seinen schwarzen Humor sehr genoss. Ein toller Comic, nicht nur für Autoren.

Mein Krimi-Best-of 2020

Sonntag, Dezember 27th, 2020

Obwohl ich meistens über fantastische Literatur und Comics schreibe, lese ich übers Jahr verteilt mindestens genauso viele Krimis wie Fantastik. Weil die Stadtmagazine in Berlin (Tip) und Nürnberg (Doppelpunkt) dieses Jahr – wie so viele andere auch – unter Corona und den Lockdowns zu leiden hatten, habe ich eine Vielzahl Bücher im Blog der befreundeten Würzburger Buchhandlung Hermkes Romanboutique vorgestellt, das meiste davon eben Krimis. Eine Auswahl meiner Science-Fiction-Highlights aus 2020 gibt’s dagegen bei Tor-Online.

Für diesen meinen Blog hier hab ich nun noch mal meine persönlichen Krimi-Favoriten aus 2020 in halbwegs chronologischer Reihenfolge zusammengestellt – mögen sie eure SUB-Vorsätze fürs neue Jahr durchkreuzen und eure Lesestapel freudig wachsen lassen! Und ja, vermutlich habe ich jetzt 2, 3 Bücher vergessen (und zu »Elmet« von Fiona Mozley kam ich noch gar nicht), aber hey, 2020, ihr wisst schon.

Attica Locke: Heaven, My Home. Polar, 2020

Attica Locke: Heaven, My Home. Polar 2020

Heaven, My Home von Attica Locke (Polar)
Osttexas ist seit Jahren das literarische Krimi-Hoheitsgebiet von Genre-Alleskönner Joe R. Lansdale. Aber spätestens mit ihrem zweiten Roman über den afroamerikanischen Texas Ranger Darren Mathews, der den Vorgänger „Bluebird, Bluebird“ noch einmal toppt, hat sich Attica Locke bereits ein ganzes Stück von Krimi-Texas erobert. Es gibt kaum aktuellere oder relevantere Krimi-Lektüre über Rassismus in den USA.

Late Show von Michael Connelly (Kampa)
Michael Connelly ist ein moderner Meister des Polizei-Krimis. Der erste Band um seine neue Ermittlerin Renée Ballard aus der Nachtschicht in L. A. ist noch nicht so gut wie Conellys jahrzehnteumspannende „Bosch“-Highlights, deren TV-Adaption man gesehen haben muss, jedoch ein ordentlicher Start. Anfang 2021 initiiert Kampa übrigens eine „Bosch“-Neuausgabe und bringt mit „Night Team“ das Ballard/Bosch-Crossover.

Broken von Don Winslow (HarperCollins Germany)
Don Winslow feiert 2020 dafür, dass er seinen Erzfeind Donald Trump loswurde, den er bekämpfte, wie und wo er nur konnte. Nebenbei hat der Lieblingsautor auch noch eine starke Storysammlung herausgebracht: Ein echtes Don Winslow-Lesebuch für Fans und Neueinsteiger, das seine alten Helden in Team-ups zusammenführt, aber auch alle Facetten seines Könnens und seines kalifornischen Krimi-Kosmos zeigt.

Ivy Pochoda: Visitation Street. Ars Vivendi, 2020

Ivy Pochoda: Visitation Street. Ars Vivendi 2020

Flucht von Benjamin Whitmer (Polar)
Der Amerikaner Benjamin Whitmer schrieb die beiden schonungslosen Country-Noir-Highlights „Im Westen nichts“ und „Nach mir die Nacht“. In seinem neuesten Werk „Flucht“ geht es um einen Gefängnisausbruch – um Ausgestoßene und Gesetzlose, um Gewalten und Gewaltbereite. Einer der nihilistischsten, dennoch tiefsinnigsten und obendrein fesselndsten Noir-Romane des Jahres. Für Jack Ketchum-Fans.

Knock-out New York von Rob Hart (Heyne)
Der erste Band der Serie um den nichtlizensierten Privatdetektiv Ash McKenna aus New York City. Eine überzeugende moderne Hardboiled-Detektivgeschichte, die Autor Rob Hart 2015 zurecht eine Anthony-Award-Nominierung für das beste Debüt einbrachte.

Visitation Street von Ivy Pochoda (Ars Vivendi)
Diesen Sommer in Red Hook, den Ivy Pochoda beschreibt, wird man so schnell nicht vergessen. Pochoda erweckt ihren von der Gentrifizierung heimgesuchten Melting Pot, der durch den Tod eines Mädchens aufgewühlt wird, mit feinster Prosa zum Leben. Sie findet genau den richtigen Sound für einen perfekten Sommer- und Brooklyn-Krimi, der zudem die Allüren eines modernen urbanen Märchens an den Tag legt. Großartig.

Dashiell Hammett: Der Malteser Falke, Kampa 2020

Dashiell Hammett: Der Malteser Falke, Kampa 2020

Stoneburner von William Gay (Polar)
Zugegeben: William Gays klassischere Südstaaten-Romane „Provinzen der Nacht“, „Ruhe nirgends“ und „Nächtliche Vorkommnisse“ habe ich mehr abgefeiert, und seine Storysammlung „I Hate To See That Evening Sun Go Down“ verehre ich regelrecht. Doch was wäre ich für ein Bewunderer, würde ich nicht auch diesen Bastard zwischen Southern-Noir und Hardboiled aus Gays Nachlass hervorheben und nebenbei auf Polars neue Taschenbuch-Reihe verweisen?

Der Malteser Falke von Dashiell Hammett (Kampa)
Dashiell Hammetts kantiger Klassiker über Sam Spade, erstmals 1930 erschienen, lieferte den Prototypen des hartgekochten, abgebrühten Schnüfflers. Kampa brachte 2020 eine Neuausgabe in guter, nicht glättender Übersetzung und schicker Hardcover-Aufmachung. Gehört natürlich ins Regal jedes Krimi-Liebhabers.

Der erste Tote von Tim MacGabhann (Suhrkamp)
Schon nach wenigen Seiten weiß man: Dieser brutal krasse und krass brutale Debütroman des in Irland geborenen, seit Jahren in Mexiko lebenden Tim MacGabhann über Korruption und Gewalt in seiner südamerikanischen Wahlheimat hat es in sich. Eine intensive, sprachlich formvollendete Mischung aus Tatsachenbericht und Thriller.

 

Neu im Handel:
Sherlock Holmes und die Tigerin von Eschnapur
@MisterEndres

MICRO-STORY der Woche von Twitter:

„Holmes“, sagte ich reserviert.

„Watson“, sagte mein Freund kühl.

Es war unsere erste Begegnung seit meinem Auszug.

„Wie bekommt Ihnen die Ehe, alter Knabe?“

„Ein Leben ohne Mordfälle hat seine Vorteile.“

„Sie langweilen sich also. Freut mich zu hören. Bis bald, Watson.“

Immer alle Storys auf Twitter @MisterEndres

Backlist:
Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen
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