Archive for the ‘Tagesspiegel’ Category

Stan Sakai: Turtles/Usagi Yojimbo

Montag, November 6th, 2017
Stan Sakai: TMNT/Usagi Yojimbo, Dantes 2017

Stan Sakai: TMNT/Usagi Yojimbo, Dantes 2017

Seit 1984 schildert Stan Sakai in seiner brillanten Comic-Serie »Usagi Yojmbo« die Abenteuer des langohrigen Titelhelden Miyamoto Usagi. Der durchstreift als herrenloser, aber ehrenhafter Schwertkämpfer und Leibwächter das feudale Japan des 17. Jahrhunderts, das Sakai trotz der Tierfiguren und der knuffigen Optik akkurat abbildet, während er in einem fort großartig geschriebene und gezeichnete Geschichten liefert (mehr von mir dazu beim Tagesspiegel).

Inzwischen hat Sakais Samurai-Hase endlich wieder einen deutschen Verlag. Der junge Szenepublisher Dantes nahm Usagi bei sich auf, nachdem zuvor Carlsen und Schwarzer Turm hierzulande mit einer Veröffentlichung gescheitert waren.

Dabei wurde der von Will Eisner, Robert Asprin, Stan Lee, Jeff Smith, Greg Rucka und anderen gepriesene Usagi schon vor Jahren z. B. ins multimediale Universum der Teenage Mutant Ninja Turtles überführt. 1987 inszenierte Sakai ein erstes Comic-Crossover zwischen seinem Hasen und den Ninja-Schildkröten von Kevin Eastman und Peter Laird, woraufhin Usagi später in den Zeichentrickserien und den Actionfiguren-Linien des TMNT-Franchise auftauchte. 30 Jahre nach dem ersten Treffen der tierisch eigenständigen und erfolgreichen Comic-Ikonen realisierte Usagis fleißiger Chronist nun ein neues langes Crossover, das gerade auf Deutsch herausgekommen ist.

Der sympathische Mr. Sakai, der 1953 in Japan geboren wurde, auf Hawaii mit Comics von Disney und Marvel aufwuchs und heute in den USA lebt, hat sichtlich Spaß daran, die Mythologien der Helden zusammenzubringen. Obwohl er durchaus auf die etablierte Kontinuität der von ihm gestalteten Lieblingsserie achtet, werden Neuleser nicht verprellt und kriegen vor allem ein gutes, in vielen Bereichen exemplarisches Sakai-Abenteuer mit Usagi, den Turtles, genug Kampfszenen und einer gewohnt gut eingewobenen japanischen Legende. Und wie immer bei Sakai, sieht das verblüffend mühelos aus, worin bekanntlich wahre Meisterhaftigkeit liegt. Anders als die regulären Usagi-Storys, die in schwarz-weiß erscheinen, hat Tom Luth »Teenage Mutant Ninja Turtles/Usagi Yojimbo« vollständig koloriert, was keineswegs schadet.

Hier findet sich eine Leseprobe zum Comic, der natürlich Pflichtlektüre für Usagi-Fans darstellt – doch eigentlich müssen ja ohnehin alle, die auf handwerklich perfekt erzählte und bebilderte Comics stehen, spätestens mit den neuen Dantes-Ausgaben Stan Sakais Ausnahmeserie »Usagi Yojimbo« lesen, und folglich auch dieses neue Crossover mit den Turtles.

Cowabunga, Usagi! Mögest du diesmal in Deutschland ein Erfolg werden.

Doppelpunkt!

Sonntag, Oktober 16th, 2016
Comic-Seite in Doppelpunkt 10/16

Comic-Seite in Doppelpunkt 10/16

Wer das bekannte Nürnberger Kulturmagazin »Doppelpunkt« liest, wird im September womöglich schon gesehen haben, dass unter den Comic-Texten ein vertrauter Name steht.

Jetzt ist die neue Nummer #10/2016 frisch erschienen, der vertraute Name steht wieder unter der Comic-Seite, und das ganze hat noch etwas mehr Form angenommen und ist auch so weit offiziell, dass ich etwas mehr dazu schreiben kann.

Also, ja, ich kümmere mich neuerdings um die Comic-Seite/Comic-Texte in »Doppelpunkt«, dem kostenlosen Magazin für Kultur und Co. in Nürnberg und Umgebung, das seit 30 Jahren erscheint und aktuell 10 Hefte pro Jahr fährt, die im Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen an ca. 900 Verteilstellen ausliegen.

Nachdem ich die Comic-Sozialisierung der Massen die letzten sieben, acht Jahre regional betrachtet via Zitty und Tagesspiegel hauptsächlich in Berlin vorangetrieben habe, ist jetzt Nürnberg dran.

Quasi direkt hier um die fränkische Ecke.

Die Texte aus der geruckten Ausgabe erscheinen nach einer Weile übrigens auch im üppigen Online-Angebot, das ebenfalls über die kulturellen Events der Region und des Monats informiert.

Brubaker/Epting: Velvet

Freitag, Juli 3rd, 2015

Am vergangenen Montag als Comic-Heldin der Woche im gedruckten Tagesspiegel, seit ein paar Tagen auch online: Mein Text zu Velvet, Ed Brubakers fantastischer Liebeserklärung an die Welt von James Bond, die neben Greg Ruckas Lazarus zu den stärksten neuen Comic-Serien der letzten zweieinhalb Jahre gehört.

Und hier, sozusagen blog-exclusive, meine nicht redigierte Langfassung des Artikels:

Schöne Spionin

Velvet 1, dani books 2015

Velvet 1, dani books 2015

London, 1973. Velvet Templeton ist jenseits der Vierzig und arbeitet als Sekretärin des ARC-7, dem fähigsten Geheimdienst der Welt, der selbst in diesen Kreisen bloß eine Legende ist. Als X-14, der Top-Agent von ARC-7, in Paris ermordet wird, trauern nicht nur alle Schreibdamen im Londoner Hauptquartier. Velvet stellt überdies auf eigene Faust ein paar Ermittlungen zum Tod ihres abservierten Ex-Lovers mit der Lizenz zum Töten an. Ehe sie richtig weiß, wie ihr geschieht, flüchtet sie auf einmal vor den eigenen Kollegen, da sie plötzlich als Tatverdächtige Nummer Eins gilt. Sie schafft es außer Landes und forscht in Wien, Belgrad und Monaco weiter. Fortan muss sie zeigen, wieso sie kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die erste weibliche Rekrutin von ARC-7 war und vor fünfzehn Jahren selbst als beste Agentin im Außendienst galt – und dass sie noch genauso smart wie sexy ist. Außerdem findet sie heraus, dass der Tod von X-14 mit einem Geheimnis in ihrer eigenen Akte zusammenhängt …

Der amerikanische Autor Ed Brubaker ist ein Spezialist für Comic-Krimis. Das bewies er u. a. an Serien wie Sleeper und Criminal. Mit Velvet-Zeichner Steve Epting arbeitete er darüber hinaus bereits an der preisgekrönten Saga um Captain America und den Winter Soldier zusammen, die den zweiten Cap-Film maßgeblich speiste. Auch in dieser Superhelden-Story baute der 1966 geborene Brubaker zahlreiche typische Elemente des Spionage-Thrillers ein. Velvet, das beim Kleinverlag dani books als Paperback und als limitiertes Hardcover auf Deutsch erschienen ist, stellt nun Brubakers ultimative Liebeserklärung an die Welt von James Bond dar. Gleichzeitig stellt er das Konzept von Miss Moneypenny als hauptsächliche Flirt-Möglichkeit komplett auf den Kopf, und mit Velvets Alter antwortet er direkt auf den multimedialen Trend zum Dauer-Einsatz jüngerer Frauenfiguren. Zudem führt Brubaker den Gedanken zu Ende, was mit Spionen passiert, die zwischen Lügen und Doppelagenten lange genug überleben. Heraus kam ein großartiger Comic, der die Geheimagenten-Klischees als starke Archetypen nutzt.

Velvet glänzt als weiteres Beispiel für all die fantastischen eigenständigen Comics, die derzeit in den USA erscheinen und über die Autoren und Zeichner die volle kreative Kontrolle haben. Der superb geschriebene, gezeichnete und kolorierte Auftaktband von Velvet sollte daher keine geschwärzte Stelle in der Leseliste bleiben, insofern auch nur ein geringfügiges Interesse an Krimis und Comics besteht.

Wer sich jetzt schon auf den neuen Film mit Mr. Bond freut, kommt an Ms. Templeton nicht vorbei.

 

Christopher: Love Song

Samstag, Juni 6th, 2015
Love Song Bd. 4, Salleck 2014

Love Song 4, Salleck Publiactions, 2014

Da der in England geborene, jedoch in Frankreich aufgewachsene und lebende Christopher dieser Tage als einer der vielen internationalen Gäste auf dem Comicfestival München anwesend ist, habe ich mir seinen Vierteiler Love Song für den Tagesspiegel angeschaut.

Nach der kurzen Besprechung auf der Comic-Seite im Blatt am Mittwoch, ist nun auch der lange Text zu Christophers Geschichte in vier starken Alben und über alte und neue Träume, Heilung und Verlust, Fehltritte und Seitensprünge, Geheimnisse und Maske, und natürlich die Höhen und Tiefen langer Freundschaft online gegangen:

Good Times Bad Times.

 

Wochenend-Lektüre

Samstag, April 11th, 2015

Ein bisschen Wochenend-Lektüre:

Auf diezukunft.de widme ich mich in einem etwas ausführlicheren Beitrag der politischen Kontroverse um die diesjährigen Hugo Awards, in deren Zentrum die Sad Puppies-Offensive steht, die nicht nur George R. R. Martin große Sorgen bereitet, weil sie den wichtigsten Science-Fiction-Preis der Welt womöglich irreparabel beschädigt hat.

Im Comic-Portal des Tagesspiegel gibt es außerdem meinen Comic-Held der Woche-Text über die Neuauflage von Hans Hillmanns Dashiell-Hammett-Adaption »Fliegenpapier«, der vor Ostern schon im Blatt abgedruckt war.

Meine persönliche Wochenend-Lektüre? Wenn ich vor lauter Spider-Verse-Editorials dazukomme, ein paar Seiten Ken Bruen/Jack Taylor. Heiland. Ich könnte aber auch die Interviews mit Jeff VanderMeer oder Adrzej Sapkowski übersetzen, die in den letzten Tagen hier eingelaufen sind…

Neu:

Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen

Backlist:
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