Archive for the ‘Rezension’ Category

Wednesday Comic: Tyler Cross: Miami

Mittwoch, August 15th, 2018

In dieser Rubrik wird jeden Mittwoch einer der Comics vorgestellt, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag für diese Texte zu sein.

Parkers Erben

Tyler Cross: Miami, Carlsen 2018

Tyler Cross: Miami, Carlsen 2018

Unglaublich, aber wahr: Die Tyler Cross-Alben von Vielschreiber Fabien Nury, Zeichner Brüno und Koloristin Laurence Croix werden mit jedem Band noch etwas besser.

Im druckfrischen dritten Album »Miami« verschlägt es den knallharten Berufsverbrecher im Anzug nach Miami, wo er einem Baulöwen das große Geld aus einem Schwindel abluchsen will. Das fängt mit Beton an und endet, natürlich, in Blei und Blut.

Nurys kriegt Story, Ton, Tempo und Wendungen auf knapp 100 Seiten perfekt hin, während die visuelle Stilisierung des Ganzen durch Brüno und Croix nach wie vor als etwas Besonderes herausragt.

Deshalb sind sie und ihr Ganove auch die legitimen Nachfolger von Donald Westlake (alias Richard Stark) und seinem Antihelden Parker.

Muss man lesen, wenn man Gangster-Krimis mag.

Wednesday Comic: Bug! The Adventures of Forager

Mittwoch, August 1st, 2018

In dieser Rubrik wird jeden Mittwoch einer der Comics vorgestellt, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag für diese Texte zu sein.

Kirby-Craziness & Allred-Pop

Bug! TPB, DC Young Animal, 2018

Bug! TPB, DC Young Animal, 2018

Noch mal DCs Young Animal-Imprint unter der kreativen Aufsicht von Gerard Way.

Den amerikanischen Pop-Art-Zeichner Mike Allred muss man einfach kennen und lieben: Für »X-Statix« mit Peter Milligan, das als TV-Serie adaptierte »iZombie« mit Chris Roberson, die Aushilfs-Fantatic Four in »FF« mit Matt Fraction, »Silver Surfer« mit Dan Slott – oder für seinen eigenen Helden Madman. Als nächstes wird er sich übrigens um Dick Tracy kümmern.

Mit seinem Bruder/Autor Lee und seiner Ehefrau/Koloristin Laura hat Doc Allred zuletzt aber erst mal »Bug! Adventures of the Forager« inszeniert, eine bunte, verrückte und unterwegs etwas anstrengende Würdigung von Jack Kirby und seinem verwirrten Neuen Gott, der sich für einen Käfer hält.

Dabei bringen die Allreds sogar Kirbys originalen Forager zurück, den Thanos-Schöpfer Jim Starlin und Hellboy-Vater Mike Mignola 1988 in ihrer Miniserie »Cosmic Odyssey« sterben ließen.

Das Ergebnis: Viel Kirby-Craziness mit Sandman, Deadman und dem Manhunter als Gaststars – und am Ende zwar zu viel des Guten, aber für Fans von Kirby und Allred zum Aushalten und Schmunzeln.

Wednesday Comic: Cave Carson Has A Cybernetic Eye

Mittwoch, Juli 25th, 2018

In dieser Rubrik wird jeden Mittwoch einer der Comics vorgestellt, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag für diese Texte zu sein.

Heldenhafter Höhlenforscher

Cave Carson Has A Cybernetic Eye Vol. 1, DC 2017

Cave Carson Has A Cybernetic Eye Vol. 1, DC Comics 2017

1960 debütierte Cave Carson bei DC Comics als heldenhafter Höhlenforscher und Abenteurer im Schatten von Jack Kirbys Challengers of the Unknown.

Der frühere My Chemical Romance-Frontmann Gerard Way (»Umbrella Academy«), Co-Autor John Rivera und Ausnahmezeichner Michael Avon Oeming (»Powers«) haben die Figur unter dem Young Animal-Label nun gewissermaßen neu erfunden und noch deutlicher in Richtung Science-Fiction ausgerichtet.

Die ersten beiden US-Sammelbände der bunten Serie »Cave Carson Has A Cybernetic Eye« versprühen einen Vibe, der den King of Comics Kirby, Edgar Rice Burroughs, H. P. Lovecraft und Grant Morrison gleichermaßen remixt. Ziemlich abgedrehtes Zeug ist das, in das Way und Co. auch noch den Antihelden Wild Dog reinwerfen, der zuletzt in er TV-Serie »Arrow« aufgegriffen worden war.

Schade, dass es etwas zu viel wird, als sich die Handlung nach Supermans Gastauftritt in Heft 7 von 12 aus dem außerirdisch wirkenden Untergrund in die Parallelwelten des Multiversums verlagert, denn in der ersten Hälfte macht die pulpige, bunte Auftaktgeschichte durchaus Spaß.

»Mother Panic« bleibt also die stärkste Serie unter Ways wildem Label, aber der alte Höhlenforscher Cave Carson ist spannender und cooler, als erwartet.

Wednesday Comic: Ein Mann – Ein Abenteuer 1

Mittwoch, Juli 18th, 2018

In dieser Rubrik wird jeden Mittwoch einer der Comics vorgestellt, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag für diese Texte zu sein.

Mounties und Macumba

»Ein Mann ein Abenteuer 1«, Schreiber & Leser 2018

»Ein Mann ein Abenteuer 1«, Schreiber & Leser 2018

Der Verlag Schreiber & Leser arbeitet sich nicht nur durch eine Neuausgabe von Hugo Pratts abenteuerlichem Comic-Klassiker »Corto Maltese«, der Frank Miller genauso beeinflusste wie Mike Mignola oder Eduardo Risso. Mit dem frisch erschienenen Album »Ein Mann – Ein Abenteuer 1: Jesut Joe • La Macumba del Gringo« liegt nun auch noch ein Band vor, der zwei von Pratts Beiträgen zur berühmten italienischen Reihe »Un uomo un’avventura« sammelt, die in den 70ern entstanden.

Die erste überraschend blutige Geschichte widmet sich dem kanadischen Ureinwohner Jesuit Joe, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts wie eine Laune des Schicksals durch den Norden unter dem Schutz der Mounties lügt und mordet. »Jesuit Joe« wirkt wie eine konsequente, drastische Opfergabe an Jack London, den Cortos Schöpfer als Autor verehrte. Dass Pratts skizzenhafte Storyboards zur späteren Verfilmung die ursprüngliche Panel-Story hinterher ergänzen und so weit wie möglich fortführen, stört kein bisschen.

Die zweite Story, die im fiebrigen, abergläubischen Brasilien übernatürliche Macumba-Magie, weltliche Kriege und fleischliche Gelüste miteinander verbindet, ist ungeheuer stark und sexy gezeichnet – aber auch ungeheuer verwirrend, was Personal und Plot angeht. Wer schon Probleme hatte, der einen oder anderen surrealistischen Corto-Episode zu folgen, wird sich an »La Macumba del Gringo« erst recht die Zähne ausbeißen.

Vermutlich wäre ein dünnerer Band mit allein dem brutalen Streifzug von Jesuit Joe, wie er kürzlich in den USA veröffentlicht wurde, die bessere Wahl gewesen. Andererseits freuen sich Pratt-Komplettisten über jedes Stück und jede Rarität. Im Februar folgt ein zweiter Band mit »Westlich von Eden« und »Svend«.

Wednesday Comic: Hellblazer Vol. 18: The Gift

Mittwoch, Juli 11th, 2018

In dieser Rubrik wird jeden Mittwoch einer der Comics vorgestellt, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag für diese Texte zu sein.

Constantine at his best

Hellblazer Vol. 18, DC Vertigo 2018

Hellblazer Vol. 18, DC Vertigo 2018

Dank der neuen amerikanischen »Hellblazer«-Sammelbände kann man als Neuleser gar nichts falsch machen und eine der besten Horrorcomic-Serien aller Zeiten chronologisch in 300-Plus-Seiten-Wälzern auf genau dem richtigen Papier genießen. Als Hardcore-Fan kann man wiederum noch mal alle Comics über den zynischen Okkultisten John Constantine zum zweiten oder dritten Mal goutieren.

Allerdings wundert man sich dann vielleicht, dass man fast vergessen hat, wie gut der Run des englischen Autors Mike Carey war. Warum eigentlich? Careys »Hellblazer«-Saga, die ursprünglich zwischen 2002 und 2007 erschien, hatte wirklich alles, was gute Geschichten über den kettenrauchenden, hoch pokernden Trickser im Trenchcoat brauchen. 

Mike Carey kennt man primär für die »Sandman«-Forsetzung »Lucifer«, deren sehr freie TV-Adaption im Sommer dankenswerterweise von Netflix gerettet wurde, für allerhand Comics mit den X-Men, für seine eigene referenzreiche Fantay-Serie »The Unwritten« und für den ungewöhnlichen Zombie-Roman »The Girl with all the Gifts«, der verfilmt wurde.

Im 18. »Hellblazer«-Trade »The Gift« lässt Carey seinen Antihelden gegen dessen dämonische Familie antreten, was den Run auf seinem Höhepunkt  mit den Anfängen von Constantines erster Soloserie unter Autor Jamie Delany und der Bluttransfusion durch Satans finsteren Diener Nergal verknüpft. Doch auch Gemma, Chaz, Constantines böser Zwilling, der Teufel höchstpersönlich und sogar Swamp Thing haben ihre Momente. Und wie Zeichner Leonardo Manco Constantines neuerlichen Trip in die Hölle visualisiert, ist einfach der Hammer, während Giuseppe Camuncoli und Frazier Irving als Gastzeichner den kreativen Luxus verdeutlichen, der den Vertigo-Klassiker viele Jahre lang kennzeichnete.

Kürzlich ging es hier um den perfekten Sommer-Comic. Hier hätten wir nun den perfekten »Hellblazer«-Comic. Das Titelbild stammt übrigens von John »Hitman« McCrea.

 

Wednesday Comic: Wolfskin

Mittwoch, Juni 27th, 2018

In dieser Rubrik wird jeden Mittwoch einer der Comics vorgestellt, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag für diese Texte zu sein.

Brutale Conan-Parodie

Wolfskin TPB 1, Avatar, 2009

Wolfskin TPB 1, Avatar, 2009

Wie Alan »Watchmen« Moore, hatte auch Warren »Planetary« eine Phase, als er jede Menge eigenständige Panel-Werke beim US-Verlag Avatar veröffentlichte, der für möglichst harte, heftige und ekelige Comics wie »Crossed« berüchtigt ist, die sich gern weit hinter der Grenze des guten Geschmacks aufstellen.

Einer der entsprechend brutalen und blutigen Titel, die Ellis damals vorlegte, war »Wolfskin«, eine ultragewalttätige Fantasy-Satire und Parodie auf Robert E. Howards Conan. Im ersten Paperback, das Avatar 2009 herausgebracht hat, ist die komplette dreiteilige Miniserie von Ellis und dem spanischen Zeichner und Gore-Spezialisten Juan José Ryp enthalten, und wenn man sich drauf einlässt, ist die zwar dünn, aber schon ziemlich witzig.

Umso bedauerlicher, dass Ellis’ »Gravel«-Kumpel Mike Wolfer als Autor im ersten Band noch eine ganz passable Einzelgeschichte hinbekommt, es in der Miniserie im zweiten Trade »Wolfskin: Hundreth Dream« dann jedoch so böse vermasselt, dass es weh tut. Bei Wolfer wandert der nordische Krieger im Wolfsfell, der durch schwarze Pilze zum Berserker wird und seinem Gott gegenübertritt, nämlich mit ein paar neuen Gefährten durch die Gegend, die nur am philosophieren sind. Gähn.

Man braucht also definitiv nur den ersten Band mit der Mini von Ellis und Ryp, in dem ja auch wirklich genügend Körperteile fliegen und genügend Eingeweide spritzen.

Wednesday Comic: Checkmate by Greg Rucka

Mittwoch, Juni 20th, 2018

In dieser Rubrik wird jeden Mittwoch einer der Comics vorgestellt, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag für diese Texte zu sein.

Super-Spione

Checkmate by Greg Rucka Book 2, DC 2018

Checkmate by Greg Rucka Book 2, DC 2018

US-Autor Greg Rucka kennt man für »Batman: Niemandsland«, »Detective Comics«, »Batwoman«, »Wolverine«, »Wonder Woman«, »Queen & Country«, »Whiteout«, »Gotham Central« und »Lazarus« – und man würde durchaus noch mehr starke Titel aus seiner Feder finden, wenn man es drauf anläge, diese Aufzählung noch länger machen zu wollen.

Zwischen 2007 und 2008 schrieb Rucka außerdem »Checkmate«, das DC jetzt in zwei dicken Paperbacks (Book One, Book Two) mit Artwork von Zeichnern wie Joe Bennett, Jesus Saiz und sogar Chris Samnee gesammelt hat. Rucka nutzte damals den Umstand, dass DC mit den Events »Infinite Crisis« und »One Year Later« mal wieder seine Kontinuität bereinigt hatte und vielen Figuren einen neuen Status quo ermöglichte. Für Rucka hieß das, dass er die ursprünglich 1988 eingeführte Checkmate-Organisation, wie die Suicide Squad eine Abteilung von Task Force X, mit bekannten und frischen Versatzstücken neu ausrichten konnte.

Komplexe Strukturen herrschen innerhalb des Super-Geheimdienstes, in dem Amanda Waller, Mr. Terrific, Sasha Bordeaux und andere in einer nach Schachfiguren benannten Doppel-Hierarchie das Sagen haben. Während die menschlichen und übermenschlichen Agenten im Feld gegen den Kobra-Kult, Bane und andere antreten müssen, ist die interne Politik von Checkmate für die brisanten Missionen so diktierend wie die geopolitische Interaktion mit dem Rest der Welt. Als Gaststars tauchen Rick Flag, Nightwing und die Outsiders, Batman sowie Superman auf.

Rucka fordert seinen Leser in »Checkmate« ganz schön, doch die Belohnung fällt groß aus. Die anspruchsvolle Superhelden-Spionage-Saga aus dem DC-Universum darf als Geheimtipp bezeichnet werden, und zwar selbst für Rucka-Fans. Denn egal wie lange man eine Auflistung mit Ruckas Werken machen würde – »Checkmate« dürfte so gut wie nie genannt werden.

Wednesday Comic: The Punisher Invades the ’Nam

Mittwoch, Juni 13th, 2018

Ich will meinen sträflich vernachlässigten Blog wiederbeleben. Keine Ahnung, ob ich es durchhalte und zeitlich hinkriege, aber der Plan ist, ein paar neue Rubriken einzuführen und regelmäßig zu befüllen. Mittwochs soll fortan immer einer der Comics drankommen, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag zu sein für diese Texte …

»Punisher Invades the 'Nam«, Marvel 2018

»Punisher Invades The ‘Nam«, Marvel 2018

Frank Castle in Vietnam

Garth Ennis war nicht der Erste, der Frank Castles Zeit als Soldat in Vietnam schilderte. Zwischen 1986 und 1993 widmete Marvel dem Vietnamkrieg eine eigene Comic-Serie, die sich ebenso unterhaltsam wie kritisch mit dem militärischen Desaster in Südostastien ausandersetzte. Anfang der 90er schaute sogar der Punisher ein paar Mal als Protagonist in »The ’Nam« vorbei, und die Kreativen zeigten u. a. Castles ersten Einsatz, sein intensives Duell mit einem Scharfschützen des Vietkong, seine Konflikte mit korrupten Offizieren und einen brutalen Kampf mit einem unmenschlichen Kriegsverbrecher.

Die entsprechenden Storys schrieben u. a. Vietnam-Veteran Don Lomax und Punisher-Veteran Chuck Dixon. Letzterer ließ die ’Nam-Geschichten schließlich wenige Jahre später in die von ihm betreuten Soloserien des Bestrafers einfließen – u. a. auf einer Mission des Punishers und eines anderen dekorierten Soldaten aus »The ’Nam«, die sich in den Wäldern der USA mit rechten Extremisten anlegen; und in einer Südamerika-Mission mit Frank und dem Hacker Micro, die der legendäre Big John Buscema phänomenal gezeichnet hat.

»The Punisher Invades The ’Nam« ist ein 350 Seiten starker Sammelband für Fans von Marvels Punisher und von reißerischen, aber eben doch guten, nicht zu verklärten Kriegscomics. Ein wirklich cooles, handwerklich stets solide bis sehr gut gemachtes Stück Punisher- und Kriegscomic-Geschichte.

Schade, dass »The ’Nam« bisher nicht vollständig in Trades vorliegt.

Hillary Jordan: Mudbound

Dienstag, Februar 6th, 2018
Hillary Jordan: Mudbound, pendo 2017

Hillary Jordan: Mudbound, pendo 2017

Mit »When She Woke« aus dem Jahre 2011, das 2013 als »Die Geächteten« auf Deutsch erschienen ist, legte die Amerikanerin Hillary Jordan ein hochinteressantes dystopisches Science-Fiction-Buch vor.

Ihren Einstand als Romanautorin gab Jordan allerdings bereits anno 2008 mit »Mudbound«, das seither in fünfzehn Sprachen übersetzt und vom Paste Magazine zu einem der zehn besten Debüts der vergangenen Dekade gekürt wurde.

Dank der Verfilmung durch Regisseurin Dee Rees, die man hierzulande aktuell auf Netflix findet, erhielt das mustergültige Südstaatendrama zehn Jahre nach seinem ursprünglichen Erscheinen als »Mudbound. Die Tränen von Mississippi« jetzt doch noch eine deutsche Ausgabe, und in diesem Fall gilt definitiv: Besser spät, als nie!

Denn die exzellent durchkomponierte, beeindruckend vielstimmige Geschichte über das harte Leben, den beiläufigen Sexismus und den brutalen und dennoch alltäglichen Rassismus im ländlichen Mississippi nach dem Zweiten Weltkrieg ist absolut geschmeidig und richtig packend geschrieben.

Angeblich arbeitet Jordan derzeit an einem Sequel ihres Pageturners.

Randabfallend: Full Bleed Vol. 1

Montag, Januar 29th, 2018
Full Bleed Vol. 1, IDW PDX 2018

Full Bleed Vol. 1, IDW PDX 2018

Als Antwort auf den Trend zum digitalen Lesen setzt beim einen oder anderen eine – abermalige – Bewusstseinsschärfung für besonders schöne und haptische Druckerzeugnisse ein. Diese analoge Reaktion bzw. Gegenreaktion bedienen Dirk Wood und Ted Adams als Herausgeber und Kuratoren des neuen englischsprachigen Kultur-Magazins »Full Bleed: Comics & Culture Quarterly«, dessen erste Ausgabe im Januar beim Spezial-Interest-Imprint IDW PDX des amerikanischen Comic-Verlag IDW erschien.

Und was für eine erste Ausgabe das geworden ist! Ein dickes, großes Hardcover mit 200 Seiten im Format 28,5 x 22,5 cm, das seinen Titel »Full Bleed« (zu Deutsch: über den Rand, randabfallend gedruckt) ganz genau nimmt und inhaltlich zwischen Comics, TV, Film, Kunst, Musik und Literatur in keine Schublade passt, während gestalterisch in Schrift und Bild aus allen Rohren gefeuert wird. Prosa, Comics, Artikel, Essays, Reiseberichte, Interviews, alles großzügig gesetzt und bebildert – da geht man gerne auf Schatzsuche. In der gebundenen Debütnummer findet sich z. B. ein verschollenes, vorher nie veröffentlichtes und ziemlich schräges Interview mit dem englischen Autor, Comic-Gott und Magier Alan »Watchmen« Moore, während Stephen King in einem langen Gespräch über die Comics plaudert, die er so las und schrieb oder noch gern schreiben würde. Bernie Wrightson, der 2017 verstorbene Meister des Makabren, wird als Künstler und Mensch ausführlich gewürdigt, und Joe R. Lansdale offeriert eine neue, fiese kleine Kurzgeschichte, die Tim Truman illustrierte. Andere Beiträge widmen sich Comics und Buchmessen auf Kuba, der falschen Darstellung Nigerias in US-Comics, einer teuren Jazz-und-Whisky-Bar in Japan, dem Vermächtnis der TV-Serie Die Sopranos, Weißen Haien, Baseball oder Punk-Künstlerin Carla Bozulich, derweil Dirk Gently-Produzent Arwind Ethan David darüber plaudert, wie Douglas Adams sein Leben veränderte.

Ergo: Eine vielseitige Wochenendlektüre, und vielleicht mal ein Sammlerstück für die Fans von Lansdale und King! Denn um als unbescholtener Kultur-Konsument »Full Bleed Vol. 1« zu kriegen, muss man darauf hoffen, dass der eine oder andere Comic-Shop in Deutschland sich gekümmert hat – Händler mussten ihre offiziellen Vorbestellungen vorab über Kickstarter anbringen, wodurch mit zusammengekommenen 90.000 Dollar bei veranschlagten 50.000 Dollar das Debüt der bunten Hardcover-Magazin-Wundertüte gesichert wurde. Geplant sind vier Ausgaben/Bände pro Jahr. Mal sehen, wie lange die Macher und die Leser durchhalten.

Neu:

Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen

Backlist:
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