Goodbye, zitty!

Juni 19th, 2020

Ich habe schon seit einigen Jahren nichts mehr für das Berliner Stadtmagazin zitty geschrieben und »nur« noch im anderen, zuletzt freilich gar nicht mehr so weit entfernten Hauptstadtmagazin Tip veröffentlicht – aber natürlich hat die alte Dame immer einen besonderen Platz in meinem Autorenherzen und kenne ich ein paar Leute da, weshalb die Meldung über die Einstellung (bzw. über den Dornröschenschlaf) der zitty nach 40+ Jahren doch irgendwie trifft und traurig macht.

Als grasgrüner, blutjunger Schreiberling habe ich in der zitty zwischen 2007 und 2014 – unter strenger Aufsicht von Spartenredakteur und Jedimeister Lutz Göllner – viele meiner ersten professionellen Texte veröffentlicht (nicht wenige davon noch in einer Zeit, da die Selbstständigkeit als Autor lediglich ein Traum war, das Schreiben nur nebenbei zum Brotjob lief). Damals entstanden massig Buch- und Comic-Rezensionen und ein paar Artikel für die Literaturseiten, später kamen reichlich Besprechungen sowie Kurzinterviews für die Comic-Seite und selbst einige Texte für die Familien/Kinder-Seite hinzu.

Im Literaturbereich haben wir uns den Nerd manchmal schon voll raushängen lassen und Werke von George R. R. Martin, Ray Bradbury, Stephen King, Peter S. Beagle, Joe Hill, Audrey Niffenegger und Richard Matheson, aber auch Comics wie Conan und Fables zelebriert. Die beiden zuletzt genannten sogar noch vor der Schaffung einer eigenen, regelmäßigen Comic-Seite, für die Lutz das kolumnenhafte Format des 1-Frage-Interviews etablierte – es war immer ein besonderer Kick, passende, spannende Leute und knackige 1-Frage/Antworten-Beiträge zu generieren.

Mach’s gut, und danke für den Fisch, zitty!

Meine Story »Der Klang sich lichtenden Nebels« lesen

Mai 15th, 2020
Der grüne Planet, Hirnkost 2020

Der grüne Planet, Hirnkost 2020

Meine postapokalyptische Science-Fiction-Kurzgeschichte Der Klang sich lichtenden Nebels steht seit heute in Fischers Fantastik-Portal Tor Online zum kostenlosen Lesen bereit.

Das Ganze ist eine Kooperation zwischen Tor und dem Hirnkost Verlag zum Release der druckfrischen Science-Fiction-Anthologie »Der Grüne Planet. Zukunft im Klimawandel«, herausgegeben von den Exodus-Machern Hans Jürgen Kugler und René Moreau.

Hier geht’s zur Geschichte.

Hier gibt’s alle Infos zum schönen gebundenen Buch, das seit heute (15. Mai) offiziell erhältlich bzw. zu bestellen ist – im Buchhandel, bei Amazon, bei Weltbild, bei Thalia, direkt beim Verlag, oder wo auch immer ihr eure Bücher am liebsten kauft.

Und hier der Vollständigkeit halber noch mal mein erster Blog-Eintrag zur Anthologie.

Hochspannung in Hermkes Romanboutique

Mai 11th, 2020
Benjamin Whitmer: Flucht, Polar 2020

Benjamin Whitmer: Flucht, Polar Veerlag 2020

Meine Buchbesprechungen zu aktuellen Romankrimis finden sich ja meistens in Blättern wie dem Nürnberger Stadtmagazin »Doppelpunkt« oder dem »Tip Berlin«, die wegen Corona momentan allerdings leider pausieren.

Deshalb bin ich natürlich trotzdem noch immer ein begeisterter Leser von Krimis aller Art, erscheinen trotzdem noch jede Menge Krimis und andere – im Sinne des Genres – nichtfantastische Bücher, die mich von den Verlagen erreichen und die es wert sind, dass man nach der Lektüre ein paar Worte über sie verliert, sich mit ihnen beschäftigt oder sie den Menschen gar explizit empfiehlt.

In Zeiten von Corona wurde der Blog von Hermkes Romanboutique, dem Szene-Buchladen in Würzburg, über die letzten Wochen zu einer Plattform für meine Krimi-Rezensionen. Während des ersten Lockdowns, als Gerd und Bernie das Ladengeschäft via Versand-only aufrechterhalten mussten und den Blog ihres Ladens parallel mit neuen Kategorien und spannendem Content befüllten, lag dem der Gedanke zugrunde, mit den Texten zu nichtfantastischen Titeln noch mal explizit darauf hinzuweisen, dass auch eine Spezialbuchhandlung wie Hermkes Romanboutique natürlich jedes Buch bestellen und verschicken kann, in den meisten Fällen von einem Tag auf den anderen. Und dass jeder Buchkauf zählt, mehr denn je.

In dieser Kategorie (von Gerd charmant Hochspannung von Mister Endres getauft, wie ich heute gesehen habe) im Blog der Romanboutique findet ihr derzeit also Krimi-Buchtipps von mir, und besonders möchte ich euch aus dem bisherigen Schwung an Titeln und Texten Benjamin Whitmers »Flucht« und Laura Stevens »Speak up« ans Herz legen.

Der Grüne Planet. Zukunft im Klimawandel. Eine Anthologie

Mai 9th, 2020
Der grüne Planet, Hirnkost 2020

Der grüne Planet, Hirnkost 2020

Hans Jürgen Kugler und René Moreau, zwei der Macher und Herausgeber des Science-Fiction-Magazins Exodus, sind unter die Anthologie-Herausgeber gegangen.

Im Hirnkost Verlag von Klaus Farin (genau: da, wo das traditionsreiche Science Fiction Jahr eine neue Heimat fand) erscheint offiziell am 15. Mai die SF-Anthologie »Der Grüne Planet. Zukunft im Klimawandel« als extrem schön aufgemachtes Hardcover – 290 Seiten, 25 Euro, etwas größer als A5, durchgehend illustriert von Uli Bendick, edel gestaltet von benSwerk, Hochglanzpapier, Lesebändchen … das ist schon alles deutlich über dem Standard für Genre-Anthologien.

Die Geschichten im Band stammen u. a. von Heidrun Jänchen, Frank Neugebauer, Karla Weigand und Tino Falke.

Von mir gibt es die Story »Der Klang sich lichtenden Nebels«, die vor ein paar Jahren entstand und deren Titel ich immer für eine Storysammlung im Sinn hatte.

Ein wirklich schönes Buch. Und nur der Anfang. Denn im Herbst folgt bei Hirnkost wohl schon die nächste Exodus-Anthologie dieser Art, dann zum aktuellen Thema Pandemie/Corona. Meine Geschichte ist schon geschrieben und lektoriert.

Hier ein Blick auf meine Belegexemplare, die schon vor ein paar Tagen ankamen:

Der grüne Planet, Hirnkost 2020

Meine Belegexemplare von »Der grüne Planet«

Meine Story »Out of Memory« kostenlos lesen

April 3rd, 2020

Auf phantastiknews.de gehen derzeit ein paar Genre-Kurzgeschichten deutschsprachiger Autoren online, die euch Lockdown, Shutdown oder gar Quarantäne »versüßen« und mit ein bisschen Eskapismus erleichtern sollen – und die Krisen-Helden im Krankenhaus, im Supermarkt oder bei der Post können ja vielleicht eine dringend nötige Pause oder den Feierabend mit einer Story füllen und kurz mal Stress und Sorgen vergessen.

Seit heute kann auf PN.de meine Science-Fiction-Hardboiled-Kurzgeschichte »Out of Memory«, die 2015 im Magazin Exodus #33 erschienen ist und 2016 für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert war, kostenlos gelesen werden.

Hier geht’s zur Story.

Ich habe »Out of Memory« für diese digitale Wiederveröffentlichung an zwei, drei Stellen minimal überarbeitet und einen Satz gestrichen – ansonsten muss ich sagen, mag ich die Geschichte nach all den Jahren noch immer (was keine Selbstverständlichkeit ist bei uns schrägen Autorenköpfen) und habe die Idee, in diesem Stil mal einen ganzen SF-Romankrimi zu schreiben, immer noch nicht verworfen …

Und ihr denkt dran, dass ich weiterhin jeden Tag auf Twitter eine Kürzestgeschichte poste, ja?

Conan der Cimmerier: In den Katakomben

März 27th, 2020
Conan der Cimmerier: Aus den Katakomben, Splitter 2020

Conan der Cimmerier: Aus den Katakomben, Splitter 2020

Seit einiger Zeit adaptieren zeitgenössische französische Comic-Macher Robert E. Howards originale Conan-Storys als stilistisch abwechslungsreiche Einzelalben. Nun ist »Aus den Katakomben« dran, das Autor Régis Hautière (»Aquablue – New Era«), Storyboard-Zeichner Olivier Vatine (»Aquablue«, »Nuork«) sowie Zeichner und Kolorist Didier Cassegrain (»Schwarze Seerosen«) umgesetzt haben.

»Aus den Katakomben«, im Original »Red Nails«, war die letzte Conan-Geschichte, die Howard (1906–1936) schrieb und die kurz nach dem Freitod des Texaners im Pulp-Magazine »Weird Tales« serialisiert wurde. REH selbst bezeichnete die lange Erzählung in einen Brief an seinen Kollegen Clark Ashton Smith als die wohl blutigste, dunkelste, brutalste und erotischste Conan-Story, die er je geschrieben hat.

Dem kreativen Comic-Trio aus Frankreich gelingt eine packende, atmosphärische, zeichnerisch extrem interessante und gelungene Adaption dieses Stoffes. Auch das Album beginnt mit dem Söldner Conan und seiner schönen Kameradin Valeria. Die beiden müssen vor einem Drachen fliehen und landen in einer uralten, abgeriegelten Stadt, deren Leben sich komplett im Inneren gewaltiger Hallen und Korridore abspielt. Hier geraten Conan und Valeria in einen hasserfüllten Krieg und an eine böse Zauberin …

Klingt klassisch, ist aber immer noch eine faszinierende Fantasy-Story. Valeria war für damalige Verhältnisse zudem eine herausragend starke Frauenfigur, »Aus den Katakomben« überdies eine ehrgeizige Konzept-Geschichte, in der es Howard einmal mehr um den Niedergang der Hochkultur und die Überlegenheit der Barbarei ging. Hautière, Vatine und Cassegrain bringen den durchaus komplexen Plot auf rund 50 beeindruckenden Seiten unter und verstehen es, für Conan zu begeistern. Und sie lösen sich von Howards finaler Szene im Original, die viel von Valerias feministischer Haltung kaputt machen würde.

Conan der Barbar 2, Panini 2020

Conan der Barbar 2, Panini 2020

Nach »Die Königin der Schwarzen Küste«, »Ymirs Tochter« und »Schatten im Mondlicht«ein weiteres Highlight der Reihe, bei Crom!

In eigener Sache, weil es zum Thema passt: Bei Panini erscheint im April der zweite, von mir mit redaktionellen Texten versehene Band von Marvels neuer »Conan der Barbar«-Serie von Jason Aaron, Mahmud Asrar und Gerardo Zaffino, die ihren ersten Storybogen mit einigen Überraschungen abschließen. Conan kehrt u. a. in seine Heimat Cimmeria zurück, die unter einem üblen Bann steht, und tritt seinem Gott Crom gegenüber …

Und auch das noch zum Thema Conan: Arnold Schwarzenegger hat Mitte März ein paar so richtig arnoldige Clips ins Netz gestellt, um die Leute in der Corona-Krise daran zu gemahnen, doch bitte mit ihrem Arsch daheim zu bleiben. Fand ich trotz Zigarre und Pool und Esel gut, und gleichzeitig erinnerte es mich daran, dass der »King Conan«-Film mit Old Arnie doch bitte wirklich noch Realität werden soll, wenn wir aus der Corona-Nummer heil herausgekommen sind. Der steht schon viel zu lange aus und ist ein Must.

Das Murren der Zwerge hat nur bedingt mit Spoilern zu tun

März 22nd, 2020
Kürzestgeschichten auf Twitter unter @MisterEndres

Kürzestgeschichten auf Twitter unter @MisterEndres

Das erste Dutzend meiner täglichen Kürzesgeschichten steht auf Twitter – Science Fiction, Märchen-Fantasy, Bibliophilen-Horror, ja, sogar ein Sherlock Holmes-Shorty hat sich spontan dazu gesellt. Ich habe extra darauf geachtet, dass es trotz der gegenwärtigen Endzeitstimmung nicht zu postapokalyptisch wird, obwohl die Tendenz da war …

Please note: Hier im Blog wird es keine regelmäßigen Sammelposts geben, die Sache soll schon auf Twitter laufen.

Aber weil die Zeiten gerade echt hart und hässlich sind, weil Eskapismus hinter geschlossenen Türen wirklich wichtig ist (bleibt Zuhause, Leute!) und weil ich das Konzept  an dieser Stelle auch einfach noch mal mit mehr Beispielen veranschaulichen und den reaktivierten Twitter-Account ein bisschen anfüttern will, hier die ersten knapp 14 Tage am Stück zum Reinschnuppern:

Story:

„Das Ding ist mir zu schief, da kletter ich nicht rauf“, sagt der Prinz und blickt an der Außenmauer des krummen Turms empor.

„Ist vermutlich besser so“, meint die Prinzessin am Turmfenster. „Von hier oben sieht es so aus, als sei die Welt ganz schön in Schieflage.“

11.3.2020

 

Story:

Der Professor wollte die Menschheit retten, indem er jedes Bewusstsein und jede Errungenschaft digitalisierte.

Die Raumstation mit der gigantischen Serverfarm schwebt auch heute noch durch die Ewigkeit des Alls.

Leider kam der Professor nie über Katzen-Memes hinaus.

12.3.2020

 

Story:

„Ein Schnäppchen.“ Der Auktionator deutet mit seinen Tentakeln auf das Panoramafenster, durch das man den blauen Planeten sieht. „Als Wasserwelt. Oder mit etwas Terraforming …“

„Was ist mit den Bewohnern?“, fragt ein Bieter.

„Alle tot“, lautet die fröhliche Antwort.

13.3.2020

 

Story:

„Findest du das alles gerade nicht besorgniserregend?“, frage ich und knabbere nervös an einer Pfote.

„Doch, schon.  Aber …“

„Und wenn es noch schlimmer wird?“

„Ruhig.“ Miri reibt ihr Gesicht an meinem und schnurrt: „Irgendwie kriegen wir die Dosen schon auf…“

14.3.2020

 

Story:

Die Zwerge schuften in ihrem Bergwerk.

Als sie mit schmutzigen Gesichtern und schmerzenden Knochen nach Hause kommen, liegt Schneewittchen auf dem Sofa und beklagt sich über die neueste Folge ihrer Netflix-Serie.

Das Murren der Zwerge hat nur bedingt mit Spoilern zu tun.

15.3.2020

 

Story:

Sherlock Holmes deutete mit seiner Pfeife auf mich.

„Ich wusste sofort, dass Sie Mary betrügen, Watson“, sagte er munter. „Die Anzeichen waren unübersehbar. Für Mary haben Sie Ihren Schnauzbart immer von rechts nach links gebürstet – nie von links nach rechts.“

16.3.2020

 

Story:

Im Bunker.

Die Regale voller Nahrungsmittel, Wasser, Medikamente, Klopapier.

Und Bücher? Dank E-Reader und riesigen Servern alle nur einen Touch entfernt.

Dann verschwindet die Cloud. Einfach so.

Buchstäblich das erste Kapitel der literarischen Panik im Bunker …

17.3.2020

 

Story:

Die Besucher aus dem All sahen seltsam aus.

Ihre Erscheinungsform, ihre Bewegungen, ihr Verhalten und ihre Sprache irritierten uns.

Außerdem erinnerte uns der Geruch ihrer Körper mit den vielen Extremitäten an Essen.

Sie sagten, sie kämen von einer Welt namens Erde.

18.3.2020

 

Story:

Das Virus verbreitet sich rasant.

Ein Systemausfall scheint unausweichlich.

„Ich hab dir gleich gesagt, dass es eine dumme Idee ist, diesen dubiosen Patch für den Staubsaugerroboter aufzuspielen. Und das nur wegen etwas mehr Speed? Na ja. Der Mopp ist im Keller, Schatz.“

19.3.2020

 

Story:

Die Stadt brennt.

Gerade ist das Dach der Bibliothek eingestürzt.

Die Bibliothekare stehen auf einem Hügel außerhalb der Stadtmauer.

Tränen rinnen durch Ruß.

„Ich wünschte, ich hätte all die Bücher gelesen, die ich immer lesen wollte“, sagt einer der Bibliothekare.

20.3.2020

 

Story:

Manchmal wird selbst in den besten Forschungseinrichtungen aneinander vorbei geredet.

„Heute fühle ich mich ziemlich hin und her gerissen“, klagt Schrödingers Katze ihrem Laborpartner.

„Was?“ Pawlows Hund schreckt hoch. „Hast du das auch gehört? War das eine Glocke?“

21.3.2020

 

Story:

Klingen und Rüstungen schimmern im Mondlicht.

Ob Paladin, Zwergenkrieger, Diebin, Zauberer oder elfische Waldläuferin: Frustration beherrscht die Gesichter der Abenteurer, die ratlos vor der Höhle stehen.

„Was soll das heißen, du hast die Würfel vergessen, Carl?“

22.3.2020

Exklusive Kürzestgeschichten auf Twitter

März 12th, 2020

Neulich habe ich mich mit Atlantis-Verlag-Imperator Guido Latz über Kürzestgeschichten unterhalten (und ja, wir werden sicher dieses Jahr auch noch mal über eine Sammlung mit längeren Storys von mir sprechen. So leicht kommt er mir nicht davon!).

Ich schwärmte ihm von der angenehmen Konzentrationsübung und dem kreativen Reiz vor, zwischendurch ganz bewusst eine Szene bzw. Story auf unter 280 Zeichen (der Standardlänge eines Twitter-Posts) zu verwirklichen, auf diesem Bierdeckel eine ganze kleine Welt zu erschaffen – die Kurzform ist ja sowieso meine Passion, je schlanker und reduzierter, desto besser. Die ersten 15, 20 Kürzestgeschichten landeten einfach für mein privates Vergnügen – meine Meditation als Autor – in einer fortlaufenden Word-Datei, und in dem einen oder anderen Fall per E-Mail bei ein paar Freunden und Kollegen.

Imperator Latz gab jedoch keine Ruhe, bis ich nun tatsächlich meinen 2010 eingerichteten Twitter-Account – vor fünf Jahren zuletzt per WordPress-Plugin eher lieblos-automatisch mit Links zu neuen Blog-Einträgen bestückt und sonst mit wenig Betrieb oder originalem, geschweige denn originellem Content – mutig entstaubte und tollkühn aktualisierte. Ich, der Social-Media-Muffel.

Jetzt soll der Account täglich und direkt genutzt werden: Für 2, 3 geistreiche Updates zur Lage der Welt, meiner Arbeit und meinem Lesestapel – und mit 1 exklusiven Kürzeststory aus den Bereichen Science-Fiction, Fantasy, Horror oder Krimi pro Tag.

Etwa in der Art:

Twitter Relaunch 2020: Jeden Tag eine exklusive Kürzestgeschichte

Mein Twitter-Relaunch 2020: Jeden Tag eine exklusive Kürzestgeschichte

Schaut doch mal vorbei, ihr findet mich unter @MisterEndres.

Der neue Corto oder: Das Prequel

Februar 22nd, 2020
Corto Maltese 15, Schreiber & Leser 2020

Corto Maltese Band 15, Tarowean – Tag der Überraschungen, Schreiber & Leser 2020

Anno 1974 präsentierte der Italiener Hugo Pratt (1927–1995) »Die Südseeballade«, das erste Abenteuer seines lässigen, freigeistigen Seemanns Corto Maltese, der mit Ironie und Schlagfertigkeit zu einer Ikone der neunten Kunst wurde – und später teilweise in reichlich, herrlich surreale Meta-Gewässer vorstieß.

1991 erschien der letzte Corto-Comic von Pratt, und erst 2015 setzten Autor Juan Diaz Canales (»Blacksad«) und Zeichner Ruben Pellejero (»Dieter Lumpen«) die Serie fort.

Nach »Unter der Mitternachtssonne« und »Äquatoria« liefern die beiden Spanier in »Tarowean – Tag der Überraschungen« nun sogar die Vorgeschichte zur eingangs erwähnten »Südseeballade« – und somit das Prequel zur gesamten Serie. Der rote Faden ist zuweilen etwas dünn, zudem gehen der Story die Leichtigkeit und das Surreale ab, die viele der besten Pratt-Alben auszeichneten.

Aber wer Corto Maltese seit Langem begleitet, liest dieses eher unerwartete, schön gezeichnete Prequel trotzdem gerne und erfährt, nach welchen Erlebnissen und Ereignissen Corto zu Beginn der »Südseeballade« gekreuzigt im Meer landete, wie auch auf dem Cover des neuen Bandes zu sehen  …

Hubert (1971–2020)

Februar 14th, 2020

Der französische Comic-Autor Hubert (Hubert Boulard) ist im Alter von nur 49 Jahren verstorben, wie die Presse in Frankreich meldet und eben z. B. von Tagesspiegel-Comic-Chefredakteur Lars von Törne getwittert. 49? Da fällt einem wirklich nicht viel zu ein …

Als kleiner Salut, hier zwei ältere Rezensionen von mir zu zwei von Huberts bekanntesten und besten Werken, die auch auf Deutsch erschienen sind damals, beide beim Berliner Reprodukt Verlag.

Petit – Riesen wie Götter, Reprodukt 2015

Petit – Riesen wie Götter, Reprodukt 2015

Petit – Riesen wie Götter

Nach dem deutschen Finalband des Comic-Bestsellers Fables wird es Zeit, sich nach neuen außergewöhnlichen Märchen-Fantasy-Comics für Erwachsene umzusehen … etwa in Frankreich. Aus dem comic-freundlichen Nachbarland stammt z. B. Petit von Szenarist Hubert und Zeichner Bertrand Gatignol. In ihrer Graphic Novel erzählen die beiden von Petit, dem kleinen Sohn eines zwar königlichen und gottgleichen, jedoch durch Inzucht degenerierten Riesen-Geschlechts. Eigentlich soll der winzige Petit, eine Schande für den barbarischen König, gleich nach der Geburt sterben. Doch der Kleine überlebt und genießt fortan den Schutz seiner gigantischen Tante, die sich als Einzige ihrer gewaltigen Sippe dem Verzehr von Menschenfleisch verweigert.

So wächst Petit im Geheimen zu einem jungen Riesen heran, der etwas größer ist als ein normaler Mensch. Doch im Schloss der Kolosse, die wie dekadente Götter leben, ist im Grunde nichts normal. Menschen werden auf der Farm gezüchtet und enden als Snacks und Menüs, jeder treibt es mit jedem, und die menschlichen Wachen sind nicht weniger grausam als ihre halb verrückten Herren und Herrinnen. Und selbst wenn Petit sich zwischen den Welten in eine schöne Menschenfrau verliebt und diese seine Gefühle sogar erwidert, kann er sich der Liebe nicht hingeben aus Angst, dass die Frucht seiner Leidenschaft den Körper seiner Angebeteten sprengen könnte, wie das in seiner Familie mehr als einmal vorkam.

Huberts und Gatignols Petit ist erwachsene Märchen-Fantasy von der feinsten und finstersten Sorte. Indem sie die Märchen-Klischees in mehr als Grimm’sche Härte tunken, treiben sie den Riesen jeden Rest-Hauch von Disney aus. Nebenbei streifen sie historische und moralische Themen im Einzugsgebiet von Dynastien und Traditionen. Die schwarzweißen, ausdrucksstarken und recht giblinesken Comic-Seiten machen dabei genauso viel her wie die Story oder die eingestreuten, illustrierten Prosa-Kurzgeschichten aus dem ‚Buch der Ahnen’, welche die Geschichte des Riesen-Geschlechts aufbereiten. Zusammen mit der schönen Aufmachung des Hardcovers ergibt das ein richtig schönes ‚Comic-Buch’ – wo diese Übersetzung für das englische ‚comic book’ sonst meist daneben geht, passt sie hier wegen des Märchen-Nenners ausnahmsweise mal.

Kein Märchen: Petit ist ein Riese im Comic-Endspurt des Jahres 2015.

Fräulein Rühr-Mich-Nicht-An (Gesamtausgabe)

Fräulein-Rühr-Mich-Nicht-An Gesamtausgabe, Reprodukt 2016

Fräulein-Rühr-Mich-Nicht-An Gesamtausgabe, Reprodukt 2016

Fräulein Rühr-Mich-Nicht-An beginnt im Paris der frühen 30er-Jahre. Die Schwestern Agathe und Blanche arbeiten als Dienstmädchen und könnten ungleicher nicht sein – Blanche ist schüchtern und verschlossen, Agathe geht für ihr Leben gerne Tanzen. Davon kann sie nicht einmal das Treiben des Schlächters der Guinguettes abhalten. Dann wird Agathe durch eine unglückliche Verkettung von Ereignissen ermordet, was der entsetzten Blanche jedoch niemand glauben möchte. Also muss sie selbst ermitteln, und deshalb wird der Bock in diesem Fall nicht zum Gärtner, sondern die Jungfrau zur Prostituierten. Ausgerechnet im exquisitesten Bordell der ausschweifenden französischen Hauptstadt fahndet Blanche auf eigene Faust nach dem Mörder ihrer Schwester. Blanches Unberührtheit hilft ihr, eine Anstellung als unantastbare Auspeitscherin zu bekommen – gleichzeitig zieht sie sich den Zorn einiger intriganter Mädchen zu. Darüber hinaus findet sie am Ort der käuflichen Liebe tatsächlich einen Mann, der sie glücklich machen könnte. Leider hat er ein schwerwiegendes Geheimnis …

Die durch einen Skizzenanhang abgerundete Gesamtausgabe von Fräulein Rühr-Mich-Nicht-An macht nicht nur deutlich, wie stark Marie Pommepuy und Sébastien Cosset die Story unter ihrem gemeinsamen Pseudonym Kerascoët visualisiert haben. Außerdem zeigt der schön aufgemachte Sammelband, dass Hubert letztlich zwei beinahe gleichwertige Storylines geschaffen und nach Auflösung von Blanches Mordermittlung einen weiteren guten Aufhänger gefunden hat, um die Heuchelei und Doppelmoral der damaligen Zeit aufzuzeigen.

Eine mörderisch gute Milieu-Studie.

Elementar:

Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen

Backlist:
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