Wednesday Comic: Bastard

Oktober 3rd, 2018

In dieser Rubrik wird jeden Mittwoch einer der Comics vorgestellt, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag für diese Texte zu sein.

Krimi-Überraschung

Bastard, Reprodukt 2018

Bastard, Reprodukt 2018

Zu seinem gelungenen Comic-Krimi »Bastard«, der soeben bei Reprodukt auf Deutsch erschienen ist und der parallel eine englischsprachige Fantagraphics-Ausgabe erhält, ließ sich der 1982 geborene Belgier Max de Radiguès u. a. durch die Romane von Jim »Fup« Dodge, Richard Ford und Larry McMurtry inspirieren.

Das Ergebnis: eine mitreißende, actionreiche, witzige, gefühlvolle und brutale Roadmovie-Geschichte über ein junges Mutter-Sohn-Gespann, das mit fetter Beute vor anderen Gangstern durch den Südwesten der Vereinigten Staaten flieht – Probleme und Überraschungen sind da garantiert.

Für den zeichnerisch souverän reduzierten, schwarz-weiß gehaltenen Kleinband mit dem auffälligen gelben Cover, der sogar Gastseiten von u. a. Lewis Trondheim und Luke Pearson enthält, erhielt Max de Radiguès 2018 auf dem berühmten, wichtigen Comic-Festival Angoulême zurecht den Prix de Lyceés.

Erschienen: Exodus 38

September 28th, 2018
Exodus #38, 2018

Exodus #38, 2018

Zum ElsterCon am vergangenen Wochenende erschien die 38. Ausgabe des Science-Fiction-Magazins »Exodus«, das seit 1975 von René Moreau und Co. herausgegeben wird.

In der druckfrischen Nummer wartet meine Geschichte »Mundtot« über einen Computer-Spezialisten, der mit der Regierung zusammenrasselt, weil er zu viele digitale Hintertürchen auf den Geräten von Freunden und Kunden schließt.

Dazu kommen Storys von Herbert W. Franke, Uwe Post, Adrian J Walker, den Steinmüllers und anderen.

Die Galerie widmet sich diesmal der Kunst von Multitalent Michael Marrak, ein längerer Essay geht indes der Frage nach, wie politisch die deutsche Science Fiction momentan ist.

»Exodus« sieht als dickes A4-Paperback mit über 100 Seiten und farbigen Illustrationen nicht nur immer klasse aus – das Magazin ist und bleibt auch eine wichtige Plattform für meine SF-Kurzgeschichten: die nächste ist bereits für eine künftige Ausgabe eingetütet, derzeit arbeite ich an einer Story für den nächsten Themenband.

Also: Check it out.

Wednesday Comic: Batman Beyond

September 26th, 2018

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Batman of the Future

Batman Beyond TPB 3: The Long Payback, DC, 2018

Batman Beyond TPB 3: The Long Payback, DC, 2018

Immer noch viel zu viel zu tun im Panini-Land, die erratische Beitragsfrequenz ist daher zu entschuldigen.

DCs Trickserien der 90er waren alle richtig gut und zum Anfixen geeignet, ob Batman, Superman oder eben Batman of the Future. Zur Zukunftsvision des Dunklen Ritters, in der ein gealterter Bruce Wayne den jungen Terry McGinnis als nächsten, fliegenden Hightech-Batman anleitet, erscheinen sogar noch immer neue Comics.

Die haben mich, obwohl sie sozusagen das Batman-Pendant zu Spider-Girl darstellen, ehrlich gesagt nie groß interessiert (hey, man kann ja nicht alles lesen), aber nachdem der Sammelband »Batman Beyond: The Long Payback« der aktuellen Serie nicht nur von Veteran Dan Jurgens (»Booster Gold«, »Der Tod von Superman«, »Spider-Man: Die Klonsaga«) geschrieben ist, sondern auch noch größtenteils von Phil Hester (»Swamp Thing«, »Green Arrow«, »Shipwreck«) gezeichnet wurde, habe ich mir das aktuelle Trade mal angeschaut.

Hesters Trademark-Kantigkeit sieht, wie nicht anders zu erwarten, super aus, und kommt dem coolen Look der TV-Serie von damals äußerst nahe. In Jurgens’ grundsolide, unterhaltsame Story kommt man auch problemlos rein, da sie nach einer größeren Geschichte innerhalb der Serie wie ein frischer Einstiegspunkt für die nächsten Storylines fungiert – zumal man die meisten Schurken im Band schon mal gesehen hat, insofern man ein paar Folgen der alten TV-Serie intus hat.

Für Fans der Fernsehabenteuer und des Artworks von Phil Hester ist dieser Ausflug in die Zukunft des animierten DC-Universums also eine ganz sichere Angelegenheit.

 

 

Wednesday Comic: Invincible

September 12th, 2018

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Robert Kirkmans Superhelden-Saga

Invincible Ultimate Collection 12, Image 2018

Invincible Ultimate Collection 12, Image 2018

Sorry, irre viel zu tun, deshalb letzte Woche auch kein Beitrag.

Aber immerhin diese Woche die Ansage, dass die schon eine Weile abgeschlossene Image-Serie »Invincible« von Robert »The Walking Dead« Kirkman, Ryan Ottley, Cory Walker & Co. der beste Superhelden-Comic der letzten 20 Jahre war, der auf Deutsch nie eine faire Chance bekam.

Haltet also zumindest eure 12 Hardcover-Bände der amerikanischen Ultimate Collection in Ehren, oder eure US-Hefte oder Trades.

Was für ein

packender
wuchtiger
rührender
grandioser
epischer
blutiger
krasser

Superhelden-Knaller und Science-Fiction-Kracher.

Wednesday Comic: Black Magick 2

August 29th, 2018

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Hardboiled-Hexe

Black Magick 2, Splitter 2018

Black Magick 2, Splitter 2018

Wir bleiben bei ungewöhnlichen Schreibweisen des englischen Wörtchens Magic für Magie …

Endlich geht es mit »Black Magick« von Greg Rucka und Nicola Scott weiter, nachdem die Creator-Owned-Serie, die im englischsprachigen Original bei Image und in deutscher Übersetzung als großes Hardcover bei Splitter erscheint, u. a. wegen der »Wonder Woman«-Saga des Amerikaners und der Australierin pausieren musste.

Der gar nicht so einsteiger-unfreundliche zweite Band beginnt mit einem Flashback: Schon als Mädchen wurde Rowan Black mit dem schmerzhaften Erbe ihrer Hexenfamilie konfrontiert. Als Erwachsene arbeitet sie nun für die Polizei, und alles wird noch schwerer – Dämonen greifen an, Hexenjäger und Dienstaufsicht beobachten sie, und ihr Partner misstraut ihr.

Autor Rucka nimmt die Mischung aus Hexen-Urban-Fantasy und Cop-Krimi ernst, ohne eines der beiden Elemente oder Subgenres vorzuziehen. Zeichnerin Scott sorgt mit ihren weichen Graustufenbildern und den raren magischen Farbmomenten derweil dafür, dass »Black Magick« nach wie vor eine der schönsten US-Serien auf dem Markt ist.

Schade, dass die beiden immer so lange für die Fortsetzung brauchen. Aber vielleicht geht es für die Wicca nun schneller voran, da die Wunderfrau nicht mehr dazwischen funkt.

Wednesday Comic: Mystik U

August 22nd, 2018

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Zatanna auf der Zaubererschule

Mystik U TPB, DC 2018

Mystik U TPB, DC 2018

Alisa Kwitney schrieb schon einige Comics aus dem »Sandman«-Universum von Neil Gaiman, die Mädels-Graphic-Novel »Token« mit Joelle Jones und Romane wie »Mein Mann, der Klempner und ich« (sic & autsch).

Ihre neueste Arbeit ist »Mystik U«, eine dreiteilige Comic-Miniserie, die von DC in den USA bereits als Sammelband zusammengefasst wurde.

Mit tatkräftiger Unterstützung von Zeichner Mike Norton (»Revival«, »Lil’ Donnie«) verpflanzt Kwitney die Rückwärtszauberin Zatanna als Jugendliche in ein Taschenuniversum, wo Z mit Faust Jr., dem unerfahrenen Sargon, der jungen Enchantress aus Suicide Squad und anderen Magischhochbegabten auf eine Zauberer-Akademie geht, die u. a. von Rose Psychic un Dr. Occult überwacht wird. Das alles dient dem Zweck, herauszufinden, wer von ihnen ein alles vernichtendes Übel in die Welt entlassen wird …

Wie Kwitney und Norton Zatanna und ihre Freunde an der außergewöhnlichen Schule in Szene setzen, weiß zu gefallen. Kwitney trifft den Ton, ist sich des Vertigo-Erbes der verjüngten Figuren bewusst und befolgt die Regeln des Zaubererschulen-Subgenres.

Die größte Schwäche der Miniserie ist, dass das Konzept im Stile von Gotham Academy für mehr Kapitel hätte herangezogen werden müssen. Drei läppische Episoden reichen nicht, um alle Stärken auszuspielen – und erst recht nicht, um den Spirit der Story zu etablieren und, kaum das man sich an der Schule wohl fühlt, mit einem schnöden, überhasteten Endkampf in die Ferien geschickt zu werden.

In »Mystik U« hätte viel mehr Potential gesteckt.

Doch da ist dann wohl der Serienneustart von Justice League Dark um Zatanna dazwischen gekommen.

Wednesday Comic: Tyler Cross: Miami

August 15th, 2018

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Parkers Erben

Tyler Cross: Miami, Carlsen 2018

Tyler Cross: Miami, Carlsen 2018

Unglaublich, aber wahr: Die Tyler Cross-Alben von Vielschreiber Fabien Nury, Zeichner Brüno und Koloristin Laurence Croix werden mit jedem Band noch etwas besser.

Im druckfrischen dritten Album »Miami« verschlägt es den knallharten Berufsverbrecher im Anzug nach Miami, wo er einem Baulöwen das große Geld aus einem Schwindel abluchsen will. Das fängt mit Beton an und endet, natürlich, in Blei und Blut.

Nurys kriegt Story, Ton, Tempo und Wendungen auf knapp 100 Seiten perfekt hin, während die visuelle Stilisierung des Ganzen durch Brüno und Croix nach wie vor als etwas Besonderes herausragt.

Deshalb sind sie und ihr Ganove auch die legitimen Nachfolger von Donald Westlake (alias Richard Stark) und seinem Antihelden Parker.

Muss man lesen, wenn man Gangster-Krimis mag.

Wednesday Comic: Doktor Aphra

August 8th, 2018

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Antiheldin im Krieg der Sterne

Star Wars: Doktor Aphra 2, Panini 2018

Star Wars: Doktor Aphra 2: Unglaublicher Reichtum, Panini 2018

Seit einer Weile erscheinen die Comics zu »Star Wars« in den Staaten wieder bei Marvel. Jason Aaron (»Scalped«, »Thor«), Kieron Gillen (»The Wicked + The Divine«, »Thor«) und andere Kreative kümmern sich um die offiziellen neuen Panel-Geschichten aus einer weit, weit entfernten Galaxie.

Die gelungenste und beste Ergänzung des multimedialen »Star Wars«-Mythos der neuen Marvel-Ära ist dabei fraglos Doktor Chelli Aphra, die als britische Co-Produktion von Gillen und Zeichner Kev Walker (»Thunderbolts«) eingeführt wurde: eine geradezu skrupellose Archäologin, Gaunerin und Waffenhändlerin, deren Opportunismus dazu führt, dass sie sich mit Darth Vader genauso verbündet wie mit Luke Skywalker. Zu ihrer Crew gehören ein Wookie-Kopfgeldjäger und zwei irre Folter-Droiden, die Spaß am Töten haben.

»Doktor Aphra: Unglaublicher Reichtum« ist nach einem Crossover und diversen Gastauftritten in den anderen »Star Wars«-Serien der zweite Sonderband, den die Kollegen in Stuttgart der gierigen Antiheldin widmen – und er untermauert Aphras Anspruch darauf, die größte Bereicherung des modernen SW-Kanons zu sein.

Bleibt die Frage: Wann kriegt Dr. Aphra eine eigene TV-Serie?

Wednesday Comic: Bug! The Adventures of Forager

August 1st, 2018

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Kirby-Craziness & Allred-Pop

Bug! TPB, DC Young Animal, 2018

Bug! TPB, DC Young Animal, 2018

Noch mal DCs Young Animal-Imprint unter der kreativen Aufsicht von Gerard Way.

Den amerikanischen Pop-Art-Zeichner Mike Allred muss man einfach kennen und lieben: Für »X-Statix« mit Peter Milligan, das als TV-Serie adaptierte »iZombie« mit Chris Roberson, die Aushilfs-Fantatic Four in »FF« mit Matt Fraction, »Silver Surfer« mit Dan Slott – oder für seinen eigenen Helden Madman. Als nächstes wird er sich übrigens um Dick Tracy kümmern.

Mit seinem Bruder/Autor Lee und seiner Ehefrau/Koloristin Laura hat Doc Allred zuletzt aber erst mal »Bug! Adventures of the Forager« inszeniert, eine bunte, verrückte und unterwegs etwas anstrengende Würdigung von Jack Kirby und seinem verwirrten Neuen Gott, der sich für einen Käfer hält.

Dabei bringen die Allreds sogar Kirbys originalen Forager zurück, den Thanos-Schöpfer Jim Starlin und Hellboy-Vater Mike Mignola 1988 in ihrer Miniserie »Cosmic Odyssey« sterben ließen.

Das Ergebnis: Viel Kirby-Craziness mit Sandman, Deadman und dem Manhunter als Gaststars – und am Ende zwar zu viel des Guten, aber für Fans von Kirby und Allred zum Aushalten und Schmunzeln.

Wednesday Comic: Cave Carson Has A Cybernetic Eye

Juli 25th, 2018

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Heldenhafter Höhlenforscher

Cave Carson Has A Cybernetic Eye Vol. 1, DC 2017

Cave Carson Has A Cybernetic Eye Vol. 1, DC Comics 2017

1960 debütierte Cave Carson bei DC Comics als heldenhafter Höhlenforscher und Abenteurer im Schatten von Jack Kirbys Challengers of the Unknown.

Der frühere My Chemical Romance-Frontmann Gerard Way (»Umbrella Academy«), Co-Autor John Rivera und Ausnahmezeichner Michael Avon Oeming (»Powers«) haben die Figur unter dem Young Animal-Label nun gewissermaßen neu erfunden und noch deutlicher in Richtung Science-Fiction ausgerichtet.

Die ersten beiden US-Sammelbände der bunten Serie »Cave Carson Has A Cybernetic Eye« versprühen einen Vibe, der den King of Comics Kirby, Edgar Rice Burroughs, H. P. Lovecraft und Grant Morrison gleichermaßen remixt. Ziemlich abgedrehtes Zeug ist das, in das Way und Co. auch noch den Antihelden Wild Dog reinwerfen, der zuletzt in er TV-Serie »Arrow« aufgegriffen worden war.

Schade, dass es etwas zu viel wird, als sich die Handlung nach Supermans Gastauftritt in Heft 7 von 12 aus dem außerirdisch wirkenden Untergrund in die Parallelwelten des Multiversums verlagert, denn in der ersten Hälfte macht die pulpige, bunte Auftaktgeschichte durchaus Spaß.

»Mother Panic« bleibt also die stärkste Serie unter Ways wildem Label, aber der alte Höhlenforscher Cave Carson ist spannender und cooler, als erwartet.

Neu:

Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen

Backlist:
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