Vernachlässigung

November 21st, 2015

Der Blog beschwert sich wieder über Vernachlässigung.

Was soll ich sagen? Der Jahresendspurt ist ein mit Deadlines gepflasterter Weg zur Weihnachts-Hölle.

Würde es euch was bringen, hier mehr Texte von comic.de oder diezukunft.de zu spiegeln? Lesenswerte und interessante sind viele dabei, aber es kommt mir immer so lieblos vor, sie einfach hier reinzukopieren…

Viel gibt es nicht zu erzählen ansonsten, außer, dass es ein bisschen anstrengend war, Convergence und den Anfang von Secret Wars in Sachen Editorials parallel zu jonglieren (zumal ich eh dazu neige, Clark Kent immer zu einem Angestellten des Daily Bugle zu machen, und Multiverse zu schreiben, wo es Multiversum heißt, und umgekehrt).

Belassen wir’s bei dieser lustigen Anekdote.

Warren Ellis & Declan Shalvey: Injection

Oktober 24th, 2015
Injection TPB 1, Image 2015

Injection TPB 1, Image 2015

Ich bin schon ein verdammter Warren-Ellis-Fanboy, wie diese Woche auf diezukunft.de mal wieder unter Beweis gestellt  …

Aber mal im Ernst: Injection Vol. 1 ist wirklich mein sehr subjektiver Comic des Monats, da 100% Ellis. Der erste US-Sammelband bündelt alles, was den Briten seit Jahren umtreibt – wer seine digitale Reden-Sammlung »Cunning Plans« gelesen hat, versteht »Injection« umso besser. Ohne diesen Hintergrund mag der erste Band etwas sperrig sein, obwohl er durch und durch Warren Ellis ist:

Künstliche Intelligenz, geheime Machenschaften, Manufactured Normalcy und die Ballard’sche Banalität der Zukunft, die gemeinsame Vergangenheit bzw. Schnittstelle zwischen Technologie und Magie sowie Fortschritt und Folklore; und gleichzeitig ambitioniertes Comic-Storytelling mit vielen Stimmungen, einer Menge Coolness, explosionsartiger Action und prägnanten Worten. Das ist Warren Ellis in Reinform und auf wirklich allen Ebenen die konsequente Fortführung seiner Gedanken und Ansätze in z. B. »Planetary«, seinem anderen starken, aktuellen SF-Comic-Geniestreich »Trees« und eben all seinen Vorträgen der letzten fünf Jahre.

Ich hab die ersten fünf US-Hefte jetzt zum zweiten Mal gelesen, und am Stück goutiert sind sie erwartungsgemäß noch eine ganze Spur cooler, sinniger und faszinierender.

Rudyard Kipling: Über Bord

Oktober 23rd, 2015
Über Bord, Edition Büchergilde, 2015

Rudyard Kipling: Über Bord, Edition Büchergilde, 2015

Wenn ich die Zeit hätte, würde die schöne Boje-Gesamtausgabe von Rudyard Kiplings »Die Dschungelbücher« in der Übersetzung von Gisbert Haefs zu den Werken gehören, die ich einmal im Jahr lese, einfach, weil sie es verdient haben (allerdings habe ich es dieses Jahr nicht einmal geschafft, die Tradition der alljährlichen Hobbit-Lektüre zu pflegen – ich fürchte sogar, dass das jetzt schon mehr als zwei, drei Jahre ausfiel).

Viel zu selten wird unterstrichen, wie viel Kipling mit seinen brillanten Geschichten aus den zeitlos guten »Dschungelbüchern« (und damit sind keineswegs nur die Mowgli-Geschichten gemeint, die von Disney inzwischen leider ziemlich überschrieben wurden) für das Genre der Tierfantasy getan hat – dafür ist Kipling vermutlich eine zu große Gestalt auf dem Olymp der Weltliteratur.

Im Dezember 2015 hätte Mr. Kipling seinen 150. Geburtstag gefeiert. Grund genug für die Frankfurter Edition Büchergilde, Kiplings nautisch-historischem Entwicklungs-Roman »Über Bord« eine Neuausgabe zu spendieren.

Erzählt wird die Geschichte eines verzogenen Jünglings, der über Bord seines Luxusschiffes geht und auf einem Kabeljaufischerboot zu einem besseren Menschen – und letztlich zum Mann – wird. Das Ganze ist so ein bisschen die anspruchsvolle, historische Prosa-Variante der unerklärlich faszinierenden DMAX-TV-Doku-Serie Die Atlantik-Fischer.

Sehr schön ist sie geworden, die umweltschonend hergestellte Lizenzausgabe dieses im Original 1897 als »Captains Courageous« publizierten Romans des ersten englischsprachigen Literaturnobelpreisträgers. Ein Leinen-Hardcover mit Fadenheftung sowie Einstecktasche samt Seekarte, Illustrationen von Christian Schneider, und einem sehr cleverem Layout, das die Fußnoten auf Höhe der entsprechenden Zeile als Formsatz am Rand anbringt.

Als Herausgeber und Übersetzer fungiert außerdem der eingangs bereits erwähnte, von Sherlock-Holmes-, Kipling- und Science-Fiction-Freunden gleichermaßen geschätzte Gisbert Haefs, der auch das Nachwort beigesteuert hat. Man folgt also der Mare-Ausgabe aus dem Jahre 2007.

Ein richtig schönes Buch! Die Erstauflage beträgt 1.200 Exemplare – den Beteiligten ist zu wünschen, dass sich viele Leser und Buchliebhaber finden und die eine oder andere Folgeauflage möglich machen.

Interview: Jo Walton

Oktober 14th, 2015

Jo Waltons Romane »In einer anderen Welt« und aktuell »Der Tag der Lerche« kann man wirklich nicht genug loben (und irgendwann werde ich ihr »Clan der Klauen« sicher noch mal mit anderen Augen lesen, nachdem ich es neulich wieder in der zweiten Reihe eines Regals gefunden habe).

Anyway. Anfang des Monats habe ich mit Jo ein Interview geführt, das jetzt auf diezukunft.de online gegangen ist. Darin spricht sie über Alternativwelt-Romane, den Zweiten Weltkrieg als Angelpunkt, Faschismus, Serien und einiges mehr.

Hier geht’s zum Interview.

Erschienen: Das Science Fiction Jahr 2015

Oktober 9th, 2015
Das Science Fiction Jahr 2015, Golkonda

Das Science Fiction Jahr 2015, Golkonda

Aus Heynes Jahrbuch-Institution »Das Science Fiction Jahr« wurde 2014 das Online-Portal www.diezukunft.de, das meine Arbeitstage noch länger und genre-lastiger gemacht hat und von euch hoffentlich regelmäßig angesurft wird.

Doch wie schon im finalen Heyne-Jahrbuch angekündigt, war immer klar, dass es dennoch ein »Das Science Fiction Jahr 2015« geben würde, wenn auch nicht bei Heyne, sondern beim unermüdlichen Golkonda-Verlag.

Dort ist dieser Tage neben dem zweiten Band von Jo Waltons sensationeller Alternativwelt-Roman-Trilogie um Inspector Carmichael jetzt auch das »Science Fiction Jahr 2015« erschienen. Druckfrisch, sozusagen.

Dass selbiges im Todesjahr von Wolfgang Jeschke herauskommt, der natürlich ausführlich gewürdigt wird im Band, verdeutlicht den Beginn einer neuen Ära irgendwie noch mehr. Bei Hannes Riffel und Co. ist es aber definitiv in guten Händen, und Sascha Mamczak ist ja auch nicht so weit weg und immer noch als Herausgeber involviert.

Ich und das SFJ haben übrigens inzwischen unser verflixtes siebtes Jahr erreicht, für die Statistiker.

Im aktuellen Jahrbuch finden sich aus meiner Feder neben den üblichen Rezensionen zu Film, TV, Buch und Comic auch wieder ein längerer Feature-Text im vorderen Teil des Bandes, in dem ich mich der Geschichte und Bedeutung des Erfolgs von Marvels Guardians of the Galaxy gewidmet habe. Hooked On A Feeling …

Hier gibt es das gesamte Inhaltsverzeichnis zur Einsicht.

Glen Cook: Black Company

Oktober 8th, 2015
Glen Cook: Black Company, Mantikore 2015

Glen Cook: Black Company, Mantikore 2015

Seit ein paar Jahren wird Glen Cooks gar nicht mal so neue »Black Company«-Serie als Geheimtipp innerhalb der Szene gehandelt: Düstere Antihelden- und Military-Fantasy über die Kern-Truppe einer gewaltigen Söldner-Einheit mit langer Historie – der Black Company eben, also der Schwarzen Kompanie.

Zu Beginn des ersten Romans von 1984 schliddert die Kompanie in den Dienst der mächtigen, eiskalten Lady sowie ihrer übermenschlichen Schergen und kämpft damit letztlich auf der Seite, die man in einem Standard-Werk des Genres der Schwerter und der Magie gemeinhin als die böse, finstere Seite bezeichnen würde. Das stellt viele Konzepte und Klischees auf den Kopf. Nicht für den Söldner, dem es egal ist, für wen er kämpft, sondern für den Leser, wenn er ein bisschen hinter die Story schaut.

Ende der 90er wurden lediglich die ersten drei der zehn im Original erhältlichen Romane auf Deutsch veröffentlicht, während man Cook hierzulande ohnehin hauptsächlich für seine witzige Fantasy-Detektiv-Serie »Die Rätsel von Karenta« kennt. Unter dem Titel »The Black Company. Seelenfänger« ist im Mantikore Verlag Band Eins jetzt in neuer Übersetzung erschienen.

Und auch wenn die Handlung manchmal etwas unmotiviert und flach daherkommt, die Übertragung ins Deutsche hier und da etwas holpert und man den einen oder anderen Satzfehler hinnehmen muss – der Start dieser Neuausgabe ist durchaus sinnvoll und zu begrüßen. Bezeichnend, dass es wieder mal einen der unermüdlichen Kleinverlage braucht, um das Ganze zu realisieren.

Drachentanzrichter

September 21st, 2015

Überfällig: Mal zwei Besprechungen zu Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen hier im Blog verlinken.

Phantastik-Couch.

Fantasybuch.

Zurück in die Deadline-Tretmühle …

Erschienen: Exodus #33

September 11th, 2015
Exodus #33

Exodus #33

Auf dem Penta-Con in Dresden bekommen am Samstag nicht nur ich und die Kollegen von Randomhouse’ SF-Portal diezukunft.de, Cover-Maestro Timo Kümmel oder Szene-Urgestein/Übersetzer Horst Illmer den Kurd-Laßwitz-Preis verliehen, sondern auch René Moreau, Heinz Wipperfuerth und Olaf Kemmler für ihre langjährige Leistung als Herausgeber des auf Science-Fiction-Storys und -Grafiken spezialisierten Magazins Exodus.

Dessen mit Hochdruck produzierte, druckfrische Ausgabe #33 – sie könnte noch warm sein und nach Blut und Schweiß riechen – erscheint passend zum Con und der Zeremonie – und enthält u. a. meine Geschichte Out of Memory, die Cyberpunk und Krimi Noir sowie Gibson und Chandler vereint. Ein abgehalfterter Detektiv, eine schöne Erwachsenenfilm-Darstellerin in Nöten, eine Alzheimer-kranke Gesellschaft, gehackte Clouds, genmanipulierte Kampf-Pinguine … alles drin, alles dran.

Für alle Listen-Freunde: Nach Galaktische Maßstäbe in der #31 von 2014, ist das meine zweite Publikation in Exodus.

Außerdem stammt die huldigende Einleitung zur extraordinären Timo-Kümmel-Hochglanz-Galerie im aktuellen A4-Paperback von mir, und das kam ungefähr so: René Moreau fragte, ob ich nicht auch mal eine Galerie-Einleitung übernehmen wolle, woraufhin der deadline-geplagte Herr Endres sagte, gerne, aber nur, wenn denn irgendwann mal jemand drankommt, über dessen Werk er auch wirklich etwas sagen könnte, etwa Christian Krank oder Timo Kümmel. Murphy lachte, denn es dauerte nicht lange, und Herr Moreau schleppte Herrn Kümmel an, mit dem er tatsächlich schon seit Jahren über eine Exodus-Galerie sprach, ohne dass Worten Taten folgten oder den Nägeln die Köpfe eingeschlagen wurden. Und tja, am Ende haute der deadline- und hitze-geplagte Herr Endres dann halt doch prompt in die Tasten für ein Intro zur Kümmel-Galerie in der nächst möglichen, vorgezogenen Ausgabe ganz im Zeichen des KLP, wo durch die Preis-Querverbindungen dann irgendwie alles zusammen passte und nur einen zwingenden Erscheinungstermin bzw. -Ort zuließ …

Hier gibt es eine komplette Übersicht des Inhalts der neuen Nummer.

Lebenszeichen & Lesetipps

August 31st, 2015

Der Input war im August doch wieder mies hier, ich geb’s zu – zu viel Arbeit.

Immerhin entstanden neben all den Comic-Editorials, Artikeln, Rezensionen und News-Texten mal wieder zwei Kurzgeschichten: Eine Sherlock-Holmes-Story (oder sagen wir lieber: eine Watson-Story), die 2016 wohl in einer Publikation zum SherloCon in der Schweiz erscheint, und eine Hobbit-Parodie, die einfach so geschrieben werden wollte und musste.

Was ich an Büchern derzeit selbst so lese, landet ja meistens in irgendeiner aufgearbeiteten, aufbereiteten Form in der Geek!, der phantastisch! oder natürlich auf diezukunft.de – aktuelle Lese-Empfehlungen von meiner Seite aus sind der preapokalyptisch-postkoloniale Superhelden-Abenteuer-Roman »Tigerman« von Nick Harkaway sowie die gut gemachte DDR-Alternativwelt-Utopie »Schwarzes Gold aus Warnemünde« von Harald Martenstein und Tom Peuckert. Kazuo Ishiguros pseudohistorisch-quasifantastisches »Der begrabene Riese« hat tolle Diskussionen hervorgebracht und ist ein hochliterarischer Ansatz für das Genre, aber nur bedingt empfehlenswert, weil etwas spannungsarm.

Das muss als Lebenszeichen jetzt erst einmal genügen. Das DC-Universum stürzt sich in Convergence, das Marvel-Universum in Secret Wars, und genau so sieht mein Deadline-Plan auch aus. Und eigentlich muss ich dieser Tage noch das Interview mit Arthur-C-Clarke-Award-Gewinnerin Emily St. John Mandel für die nächste Geek! übersetzen, deren »Das Licht der letzten Tage« dieser Tage auf Deutsch erscheint. Seid artig und betet für Kühle …

Don Winslow: Das Kartell

August 10th, 2015
Das Kartell, Droemer Knaur 2015

Das Kartell, Droemer 2015

Mir ist bewusst, dass ich den Blog wieder zu sehr vernachlässige, und vorerst wird es vermutlich nicht besser, denn die Hitze hat meinen Deadlines ebenso wenig gut getan wie die Lektüre, über die ich nachfolgend ein bisschen was erzählen werde. Wenn ihr die Texte hier vermisst, dann schaut doch einfach auf diezukunft.de – da gibt es am laufenden Band etwas aus meiner Feder zu lesen …

Eigentlich wollte ich ja ohnehin noch etwas warten, bis ich mir Don Winslows »Das Kartell« kaufe, die Fortsetzung seines epischen »Tage der Toten«. Der Verlagswechsel im Deutschen hat ein Holzhammer-Cover hervorgebracht, das mir trotz Glanzlack-Spiegeloberfläche nicht viel gibt und mich angesichts der früheren Winslow-Cover eher ärgert; und über 800 Seiten sind bei den momentanen Bergen an Arbeit und dazugehörigen Stapeln an Arbeitslektüre auch kein Zuckerschlecken.

Nachdem mich Warren Ellis dann aber in seinem Newsletter praktisch wöchentlich mit Updates versorgt hat, wie genial »Das Kartell« wieder geworden ist, und ich noch andernorts über Lobeshymnen von Winslow-Fans und Erstlesern stolperte, konnte ich nicht länger widerstehen.

d’accord: »Das Kartell« ist genauso gut und genauso episch wie »Tage der Toten« (wenngleich nicht ganz so cool wie »Zeit des Zorns« oder »Kings of Cool«, aber das ist okay) – und dabei, wie ein Blick in die Nachrichten beweist, topaktuell. Der Roman ist eine überzeugende Fortsetzung, kann jedoch auch als Einzelband gelesen werden, ja ist selbst als Winslow-Erstkontakt geeignet. Das macht Mr. Winslow einfach sehr gut. Obendrein hat er dieses Monster erneut ausgesprochen elegant geplottet und durchkomponiert – Winslow hat seine Figuren und Handlungsfäden bei aller Opulenz stets im Griff, und gleichzeitig schreibt er äußerst süffig, knackig und unterhaltsam. Und er gerät trotz der Thematik und Elemente seiner Geschichte nicht in die Verschwörungs-Theoretiker-Falle.

Um es mal aus Genre-Sicht zu sagen: Für mich sind »Tage der Toten« und »Das Kartell« das Game of Thrones des modernen Krimis über den Krieg gegen die Drogen bzw., um es im Tenor des Romans zu sagen, mit den Drogen.

Neu:

Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen

Backlist:
killerscreek_sidebar1
cw1_sidebar1
cw2_sidebar1
rachegeist_sidebar1
SHudUdT_sidebar1
DZvO_sidebar1