Archive for the ‘Wednesday Comic’ Category

Wednesday Comic: Ein Mann – Ein Abenteuer 1

Mittwoch, Juli 18th, 2018

In dieser Rubrik wird jeden Mittwoch einer der Comics vorgestellt, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag für diese Texte zu sein.

Mounties und Macumba

»Ein Mann ein Abenteuer 1«, Schreiber & Leser 2018

»Ein Mann ein Abenteuer 1«, Schreiber & Leser 2018

Der Verlag Schreiber & Leser arbeitet sich nicht nur durch eine Neuausgabe von Hugo Pratts abenteuerlichem Comic-Klassiker »Corto Maltese«, der Frank Miller genauso beeinflusste wie Mike Mignola oder Eduardo Risso. Mit dem frisch erschienenen Album »Ein Mann – Ein Abenteuer 1: Jesut Joe • La Macumba del Gringo« liegt nun auch noch ein Band vor, der zwei von Pratts Beiträgen zur berühmten italienischen Reihe »Un uomo un’avventura« sammelt, die in den 70ern entstanden.

Die erste überraschend blutige Geschichte widmet sich dem kanadischen Ureinwohner Jesuit Joe, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts wie eine Laune des Schicksals durch den Norden unter dem Schutz der Mounties lügt und mordet. »Jesuit Joe« wirkt wie eine konsequente, drastische Opfergabe an Jack London, den Cortos Schöpfer als Autor verehrte. Dass Pratts skizzenhafte Storyboards zur späteren Verfilmung die ursprüngliche Panel-Story hinterher ergänzen und so weit wie möglich fortführen, stört kein bisschen.

Die zweite Story, die im fiebrigen, abergläubischen Brasilien übernatürliche Macumba-Magie, weltliche Kriege und fleischliche Gelüste miteinander verbindet, ist ungeheuer stark und sexy gezeichnet – aber auch ungeheuer verwirrend, was Personal und Plot angeht. Wer schon Probleme hatte, der einen oder anderen surrealistischen Corto-Episode zu folgen, wird sich an »La Macumba del Gringo« erst recht die Zähne ausbeißen.

Vermutlich wäre ein dünnerer Band mit allein dem brutalen Streifzug von Jesuit Joe, wie er kürzlich in den USA veröffentlicht wurde, die bessere Wahl gewesen. Andererseits freuen sich Pratt-Komplettisten über jedes Stück und jede Rarität. Im Februar folgt ein zweiter Band mit »Westlich von Eden« und »Svend«.

Wednesday Comic: Hellblazer Vol. 18: The Gift

Mittwoch, Juli 11th, 2018

In dieser Rubrik wird jeden Mittwoch einer der Comics vorgestellt, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag für diese Texte zu sein.

Constantine at his best

Hellblazer Vol. 18, DC Vertigo 2018

Hellblazer Vol. 18, DC Vertigo 2018

Dank der neuen amerikanischen »Hellblazer«-Sammelbände kann man als Neuleser gar nichts falsch machen und eine der besten Horrorcomic-Serien aller Zeiten chronologisch in 300-Plus-Seiten-Wälzern auf genau dem richtigen Papier genießen. Als Hardcore-Fan kann man wiederum noch mal alle Comics über den zynischen Okkultisten John Constantine zum zweiten oder dritten Mal goutieren.

Allerdings wundert man sich dann vielleicht, dass man fast vergessen hat, wie gut der Run des englischen Autors Mike Carey war. Warum eigentlich? Careys »Hellblazer«-Saga, die ursprünglich zwischen 2002 und 2007 erschien, hatte wirklich alles, was gute Geschichten über den kettenrauchenden, hoch pokernden Trickser im Trenchcoat brauchen. 

Mike Carey kennt man primär für die »Sandman«-Forsetzung »Lucifer«, deren sehr freie TV-Adaption im Sommer dankenswerterweise von Netflix gerettet wurde, für allerhand Comics mit den X-Men, für seine eigene referenzreiche Fantay-Serie »The Unwritten« und für den ungewöhnlichen Zombie-Roman »The Girl with all the Gifts«, der verfilmt wurde.

Im 18. »Hellblazer«-Trade »The Gift« lässt Carey seinen Antihelden gegen dessen dämonische Familie antreten, was den Run auf seinem Höhepunkt  mit den Anfängen von Constantines erster Soloserie unter Autor Jamie Delany und der Bluttransfusion durch Satans finsteren Diener Nergal verknüpft. Doch auch Gemma, Chaz, Constantines böser Zwilling, der Teufel höchstpersönlich und sogar Swamp Thing haben ihre Momente. Und wie Zeichner Leonardo Manco Constantines neuerlichen Trip in die Hölle visualisiert, ist einfach der Hammer, während Giuseppe Camuncoli und Frazier Irving als Gastzeichner den kreativen Luxus verdeutlichen, der den Vertigo-Klassiker viele Jahre lang kennzeichnete.

Kürzlich ging es hier um den perfekten Sommer-Comic. Hier hätten wir nun den perfekten »Hellblazer«-Comic. Das Titelbild stammt übrigens von John »Hitman« McCrea.

 

Wednesday Comic: Eine Schwester

Mittwoch, Juli 4th, 2018

In dieser Rubrik wird jeden Mittwoch einer der Comics vorgestellt, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag für diese Texte zu sein.

Der perfekte Sommer-Comic

EIne Schwester, Reprodukt 2018

Eine Schwester, Reprodukt 2018

Bastien Vivés gehört zu der jüngeren Generation französischer Comic-Macher, deren vielseitige Vertreter von den frankobelgischen Meistern ebenso beeinflusst wurden wie von japanischen Animeserien und amerikanischen Helden. Die starke »Dragonball«-Hommage »LastMan«, die Vivés zusammen mit Balak und Sanlaville inszenierte, musste hierzulande leider frühzeitig auf Eis gelegt werden – dafür brillierte zuletzt z. B. der von Vivés mitgestaltete Panel-Krimi »Olympia«.

Gerade ist bei Reprodukt außerdem der Einzelband »Eine Schwester« erschienen, eine wunderbar sommerliche Geschichte über das Erwachsenwerden im Urlaub. Strand, Familie, Lagerfeuer, Dorfjugend, Pokémon, ein wunderschönes Mädchen, Freundschaft, Sex – alles drin, was eine gute Coming-of-Age-Geschichte braucht. Vivés digitale Zeichnungen reduzieren und akzentuieren dadurch alles noch massiver.

Es wäre zu einfach, Vivés leichten und einfühlsamen, stellenweise überraschend erotischen Comic-Roman nur als den gefühlsmäßigen Nachfolger zur viel gelobten Graphic Novel »Ein Sommer am See« von den Tamakis zu bezeichnen, zumal »Eine Schwester« subjektiv der bessere Comic ist, da man noch mehr in die Sommertage des dreizehnjährigen Antoine und der sechzehnjährigen Helene hineingezogen wird. Doch »Eine Schwester« darf sich gern zu »Ein Sommer am See« ans Lagerfeuer der Aufmerksamkeit setzen, wenn das hilft, dass möglichst viele Feuilletonisten und Leser den Band für sich entdecken.

Mit »Eine Schwester«, dem perfekten Sommer-Comic, beweist Bastien Vivés einmal mehr, dass er einer der besten Comic-Erzähler Europas ist.

Wednesday Comic: Wolfskin

Mittwoch, Juni 27th, 2018

In dieser Rubrik wird jeden Mittwoch einer der Comics vorgestellt, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag für diese Texte zu sein.

Brutale Conan-Parodie

Wolfskin TPB 1, Avatar, 2009

Wolfskin TPB 1, Avatar, 2009

Wie Alan »Watchmen« Moore, hatte auch Warren »Planetary« eine Phase, als er jede Menge eigenständige Panel-Werke beim US-Verlag Avatar veröffentlichte, der für möglichst harte, heftige und ekelige Comics wie »Crossed« berüchtigt ist, die sich gern weit hinter der Grenze des guten Geschmacks aufstellen.

Einer der entsprechend brutalen und blutigen Titel, die Ellis damals vorlegte, war »Wolfskin«, eine ultragewalttätige Fantasy-Satire und Parodie auf Robert E. Howards Conan. Im ersten Paperback, das Avatar 2009 herausgebracht hat, ist die komplette dreiteilige Miniserie von Ellis und dem spanischen Zeichner und Gore-Spezialisten Juan José Ryp enthalten, und wenn man sich drauf einlässt, ist die zwar dünn, aber schon ziemlich witzig.

Umso bedauerlicher, dass Ellis’ »Gravel«-Kumpel Mike Wolfer als Autor im ersten Band noch eine ganz passable Einzelgeschichte hinbekommt, es in der Miniserie im zweiten Trade »Wolfskin: Hundreth Dream« dann jedoch so böse vermasselt, dass es weh tut. Bei Wolfer wandert der nordische Krieger im Wolfsfell, der durch schwarze Pilze zum Berserker wird und seinem Gott gegenübertritt, nämlich mit ein paar neuen Gefährten durch die Gegend, die nur am philosophieren sind. Gähn.

Man braucht also definitiv nur den ersten Band mit der Mini von Ellis und Ryp, in dem ja auch wirklich genügend Körperteile fliegen und genügend Eingeweide spritzen.

Wednesday Comic: Checkmate by Greg Rucka

Mittwoch, Juni 20th, 2018

In dieser Rubrik wird jeden Mittwoch einer der Comics vorgestellt, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag für diese Texte zu sein.

Super-Spione

Checkmate by Greg Rucka Book 2, DC 2018

Checkmate by Greg Rucka Book 2, DC 2018

US-Autor Greg Rucka kennt man für »Batman: Niemandsland«, »Detective Comics«, »Batwoman«, »Wolverine«, »Wonder Woman«, »Queen & Country«, »Whiteout«, »Gotham Central« und »Lazarus« – und man würde durchaus noch mehr starke Titel aus seiner Feder finden, wenn man es drauf anläge, diese Aufzählung noch länger machen zu wollen.

Zwischen 2007 und 2008 schrieb Rucka außerdem »Checkmate«, das DC jetzt in zwei dicken Paperbacks (Book One, Book Two) mit Artwork von Zeichnern wie Joe Bennett, Jesus Saiz und sogar Chris Samnee gesammelt hat. Rucka nutzte damals den Umstand, dass DC mit den Events »Infinite Crisis« und »One Year Later« mal wieder seine Kontinuität bereinigt hatte und vielen Figuren einen neuen Status quo ermöglichte. Für Rucka hieß das, dass er die ursprünglich 1988 eingeführte Checkmate-Organisation, wie die Suicide Squad eine Abteilung von Task Force X, mit bekannten und frischen Versatzstücken neu ausrichten konnte.

Komplexe Strukturen herrschen innerhalb des Super-Geheimdienstes, in dem Amanda Waller, Mr. Terrific, Sasha Bordeaux und andere in einer nach Schachfiguren benannten Doppel-Hierarchie das Sagen haben. Während die menschlichen und übermenschlichen Agenten im Feld gegen den Kobra-Kult, Bane und andere antreten müssen, ist die interne Politik von Checkmate für die brisanten Missionen so diktierend wie die geopolitische Interaktion mit dem Rest der Welt. Als Gaststars tauchen Rick Flag, Nightwing und die Outsiders, Batman sowie Superman auf.

Rucka fordert seinen Leser in »Checkmate« ganz schön, doch die Belohnung fällt groß aus. Die anspruchsvolle Superhelden-Spionage-Saga aus dem DC-Universum darf als Geheimtipp bezeichnet werden, und zwar selbst für Rucka-Fans. Denn egal wie lange man eine Auflistung mit Ruckas Werken machen würde – »Checkmate« dürfte so gut wie nie genannt werden.

Wednesday Comic: The Punisher Invades the ’Nam

Mittwoch, Juni 13th, 2018

Ich will meinen sträflich vernachlässigten Blog wiederbeleben. Keine Ahnung, ob ich es durchhalte und zeitlich hinkriege, aber der Plan ist, ein paar neue Rubriken einzuführen und regelmäßig zu befüllen. Mittwochs soll fortan immer einer der Comics drankommen, die ich kürzlich aus privatem oder beruflichem Interesse gelesen habe. Mittwoch, der traditionelle Release-Day der Comic-Verlage in den Staaten, scheint mir der passende Tag zu sein für diese Texte …

»Punisher Invades the 'Nam«, Marvel 2018

»Punisher Invades The ‘Nam«, Marvel 2018

Frank Castle in Vietnam

Garth Ennis war nicht der Erste, der Frank Castles Zeit als Soldat in Vietnam schilderte. Zwischen 1986 und 1993 widmete Marvel dem Vietnamkrieg eine eigene Comic-Serie, die sich ebenso unterhaltsam wie kritisch mit dem militärischen Desaster in Südostastien ausandersetzte. Anfang der 90er schaute sogar der Punisher ein paar Mal als Protagonist in »The ’Nam« vorbei, und die Kreativen zeigten u. a. Castles ersten Einsatz, sein intensives Duell mit einem Scharfschützen des Vietkong, seine Konflikte mit korrupten Offizieren und einen brutalen Kampf mit einem unmenschlichen Kriegsverbrecher.

Die entsprechenden Storys schrieben u. a. Vietnam-Veteran Don Lomax und Punisher-Veteran Chuck Dixon. Letzterer ließ die ’Nam-Geschichten schließlich wenige Jahre später in die von ihm betreuten Soloserien des Bestrafers einfließen – u. a. auf einer Mission des Punishers und eines anderen dekorierten Soldaten aus »The ’Nam«, die sich in den Wäldern der USA mit rechten Extremisten anlegen; und in einer Südamerika-Mission mit Frank und dem Hacker Micro, die der legendäre Big John Buscema phänomenal gezeichnet hat.

»The Punisher Invades The ’Nam« ist ein 350 Seiten starker Sammelband für Fans von Marvels Punisher und von reißerischen, aber eben doch guten, nicht zu verklärten Kriegscomics. Ein wirklich cooles, handwerklich stets solide bis sehr gut gemachtes Stück Punisher- und Kriegscomic-Geschichte.

Schade, dass »The ’Nam« bisher nicht vollständig in Trades vorliegt.

Neu:

Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen

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